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Sonntag, 11. Dezember 2011

Der Duft einer Po-Diva

Er gilt als einer der besten Flakondesigner Deutschlands, Lutz Herrmann, so die investigative Recherche des Kaufhof-Magazins „Galeria“. Der so genannte „Herr der Flaschen“ habe Parfümgefäße für die Düfte von David Beckham, Kate Moss und Beyoncé gestylt. Und auch den Flakon für Kylie Minogue.
Dieser hat es in sich. Oder an sich. Oder für sich. Doch dazu gleich. Eigentlich existieren bei der Entwicklung eines neuen Flakons zunächst nur „Name und Vorstellungen des Auftraggebers, welchen Charakter die Essenz und deren Hülle besitzen sollen“, so die Galeria-Reportage. Parfümeure würden den Duft oft parallel zu Herrmanns Arbeit entwickeln.
Das, was bei der Entwicklung des Duft-Flakons von Kylie Minogue herauskam, könnte die Welt in Atemnot versetzen. Die Flasche hat die Form eines Pos. „Es gibt Flakons, die perfekt zu ihrem Parfüm passen“, gesteht Flaschenkreateur Herrmann ganz grundsätzlich. Hoffentlich trifft das nicht auf Kylies neuen Geruch zu. Wer mag sich denn ein Parfüm kaufen, das nach Kylies Po duftet?

Tja, ein echtes Eau de Toilette...

Dienstag, 6. Dezember 2011

Ratingagentur Standard & Poor's verliert Bestnote

Höchste Zeit, dass der Anfang gemacht wird: Jok-Blog hat einstimmig beschlossen, die einst renommierte Ratingagentur Standard & Poor's (SP) herabzustufen. Erneut hat SP heute ihre Unfähigkeit bewiesen: Noch bevor SP offiziell publizierte, dass auch Deutschland mit dem Verlust des AAA-Ratings zu rechnen habe, ging die Nachricht bereits bei mehreren Marktteilnehmern um. Damit hat die Verratingagentur die juristische Voraussetzung für Informationsvorsprünge einzelner Händler geschaffen. Heißt es.

Standard & Poor's hat sich schon mehrfach in der Vergangenheit erfolgreich durch Inkompetenz hervorgetan: Bei der Herabstufung der USA haben die professionellen Geldschätzer einfach zwei Billionen Dollar übersehen. Die Börsenaufsicht SEC soll eine Untersuchung der Rechenmethoden eingeleitet haben, schrieb das Handelsblatt. Jok-Blog ist schneller als die Börsenaufsicht und kommt zu dem Schluss, dass sich die Manager bei SP standardmäßig zu verrechnen scheinen. Und das liegt nicht an den Rechenmethoden. Da ist ja ein Dieter Bohlen als Juror glaubwürdiger.

Vor einem knappen Monat erst hatte die Rattenagentur bekanntlich Frankreich herabgestuft. Französische Staatsanleihen verbuchten daraufhin die größten Wertverluste seit Einführung des Euro. Dabei war für die Herabstufung anscheinend ein Computerfehler verantwortlich.

Sollten bei Standard-Fools weitere Computerfehler für Hoch- und Herabstimmungen sorgen, wird Jok-Blog diese sogenannte Ratingagentur weiter zurückstufen. Was bedeuten würde: Sie ist mir noch mehr egal!

Samstag, 3. Dezember 2011

Bier für Bushido

Nein, der umkippende Jever-Typ da in den nordischen Sanddünen, der sollte kein Vorbild sein für die Werbekampagne, die einer der größten Bierbrauer Deutschlands geplant hat. Zwar kennt ihn jeder, den Jever-Mann. Und die Werbung war auch erfolgreich. Obwohl, wie es heißt, diese umfallende Werbung keinem Test hätte standhalten können - und dass es damals auch intern Streit gegeben habe, weil man in der entscheidenden Szene einen Sturz-Besoffenen (Betonung auf Sturz) hätte interpretieren können. Heißt es, wie so vieles in der Branche gerüchtiert wird.

Die neue Kampagne, die eine renommierte Biermarke geplant hat, sollte anders sein als dieser Jever-Mann, weil, ganz klar, der Dünen-Mann so einsam sei. Und die Zielgruppe der großen Biermarke seien doch keine einsamen, verklemmten Bier-Kipper, sondern Gesellschaftstrinker. Der neue Spot sollte was mit Freundschaft zu tun haben.

Die nicht minder bekannte Werbeagentur freute sich an ihrer Aufgabe und drehte einen wunderbaren 30-Sekünder mit zwei biertrinkenden Freunden. Hoch emotional inszenierte der Film Attribute wie Freundschaft, Vertrauen, Gemütlichkeit. Der Bierbrauer schaute sich das Werbewerk an und entschied: Geht nicht.

Wieso denn nicht?, folgte die entsetzte Frage der Kreativen. Weil da nur zwei Männer trinken, war die Antwort. Das sei doch das Gute, betonte die Agentur.

Doch der Bierbrauer war anderer Meinung: "Zwei Männer? Das ist doch Bierwerbung für Schwule", begründete der Marketingchef in Bushido-Sprech. Und meinte es ernst.

Der Spot wurde neu gedreht. Genau der gleiche Film. Diesmal mit drei Männern. Er ist jetzt im deutschen Fernsehen zu sehen. Bierwerbung für Bushido & Co. Für den typischen Deutschen eben.

Samstag, 26. November 2011

Stuttgart 21: die Jeinfrage!

Die Nervosität ist groß, im Ländle. Es geht um die bislang wohl wichtigste Entscheidung der Kehrwochenschildbürger. Es geht um das Ja. Und um das Nein. Wobei das Nein ein Ja ist und das Ja ein Nein. Denn es geht um Stuttgart 21, um Kopf oder Zahl, also um Kopfbahnbhof oder Zahlbahnhof. Ja nein, wer Stuttgart hört, versteht seit langem nur noch Bahnhof.

Morgen ist die Volksabstimmung über das - wörtlich: S 21 Kündigungsgesetz. Die Gesetzesvorlage, die den Schwaben in der Wahlkabine vorgelegt wird, hat folgenden Wortlaut:

"Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21 (S 21 - Kündigungsgesetz) § 1 Kündigung der Vereinbarungen. Die Landesregierung ist verpflichtet, Kündigungsrechte bei den vertraglichen Vereinbarungen mit finanziellen Verpflichtungen des Landes Baden-Württemberg für das Bahnprojekt Stuttgart 21 auszuüben. § 2 Inkrafttreten. Dieses Gesetz tritt am Tag nach seiner Verkündung in Kraft."

Der volljährige Schwabe darf dann mit einem einzigen Kreuz geizen. Er muss es bei Ja oder Nein setzen. Was aber bedeutet Nein? Was Ja? Ein Wahlplakat am Charlottenplatz in Stuttgart klärt auf: "Park oder Gleis? Nein!" Alles klar? Nicht? Gut, dass heute noch Buttons verteilt wurden. Mit einem Ja darauf. Klein gedruckt hieß es: "Ja für S 21".

Dumm nur, dass der- oder diejenige, derdiedas Ja für S 21 wählen will, ein Nein ankreuzen muss. Nur wer Park oder Gleis will, der darf beide Kreuze machen, für ein klares Jein!

S 21 steht für 21 Prozent Sicherfalschwähler.

Sonntag, 13. November 2011

Gefahrguttransport mit der Deutschen Post

Normalerweise machen es Omis mit ihren Enkeln. Doch auch in der Werbebranche ist mir dies nun passiert: Ein sehr guter Freund, der junge Menschen zu Berufskommunikatoren ausbildet, schickte mir eine Karte zum Geburtstag - darin enthalten ein Geldschein, fette fünf Euro. "Du bist doch Schokoladenfreund. Kauf dir eine gute Tafel!", schrieb der Freund. Wie einst meine Omi.

Nur: Die Deutsche Post spielte nicht mit. Sie überlegte sich gut, ob der wertvolle Inhalt dieses Schreibens bei Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen überhaupt gefahrlos durch Bayern transportiert werden könne. Wenn sich das rumspricht, etwa durch Blog-Einträge, man denke nur an die großen Postraube...

Exakt 35 Tage ließ sich die Post für den heiklen Geldtransport Zeit. Dann kam das Barvermögen an, im verschlossenen Umschlag, der wiederum in einem Umschlag der Deutschen Post war - Sicherheit geht vor. Sogar ein Begleitschreiben des Kundenservices Brief war dabei, der mit dem eindrucksvollen Satz begann: "Uns liegt eine Briefsendung vor, die wir Ihnen zuordnen konnten."

Das war wahr. Weiter hieß es: "Standardbriefe sind eine preiswerte Möglichkeit, schriftliche Mitteilungen zu versenden. Sie eignen sich jedoch nicht für den Versand von Bargeld oder Wertgegenständen. Deshalb schließen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen Bargeld als Inhalt von normalen Briefen aus."

Uups. Woher aber wusste denn die "Mail & Logistic Group", wie es auf deren Brief heißt, dass so viel Geld in diesem Umschlag war. Man konnte es nicht ahnen - selbst, wenn man den Brief mit der hellsten Lampe durchleuchtete. Das bleibt für mich ein offenes Briefgeheimnis.

Schön jedenfalls ist der Schlusssatz des DHL-Geldtransporteurs, man bedenke, 35 Tage nach Absenden des wertvollen Briefes: "Wenn wir Sie weiterhin zu unseren zufriedenen Kunden zählen dürften, würden wir uns freuen."

Mittwoch, 9. November 2011

Burger King: Jetzt kaufen!

Wie so oft, wenn ich das freundliche Büro-Hochhaus im Münchner Osten abends verlasse, zwingt mich der Hunger zu Esso-Tankstelle oder Burger King. Esso hat öliges Thunfischzeugs auf läbbrigen Toastscheiben oder sogenanntes Chicken Tandori in dreieckigem Plastik verpackt zu Wucherpreisen im Angebot und den Nachteil, bereits um 23 Uhr zu schließen.

Burger King hat arbeitnehmerfreundlich bis 1 Uhr nachts geöffnet und einen Drive-in, um Whopper & Co quasi während der Heimfahrt inhalieren zu können. Mein Nachteil: Eine Bestellung bei einem Fastfoodladen ist für mich Hochstress. Schon beim Gedanken an die Blechstimme des Bestellannehmkastens werde ich nervös, dann ständig dieses "Mit Käse, mit Schinken, mit Gurke...?", obwohl ich doch klare Regieanweisungen gebe.

Hoch konzentriert fahre ich neulich zum Drive-in-Bestellgerät. "Ihre Bestellung bitte!" Ich verlange wörtlich: "Einen Burger King bitte". Die Antwort: "Mit oder ohne?" Darauf von mir ein klares "Ohne!"
"Sie wollen also einen Burger King ohne Mitarbeiter kaufen?"

Sonntag, 6. November 2011

Der hybride Traum

Es war das große Thema des Jahres, bei den Medienmenschen: Hybrid-TV. Man sieht darin langfristig große Erlöse, im Zusammenspiel mit Online und Fernsehen. Werbeerlöse und Vertriebserlöse. Paid Content wird jetzt in völlig neuen Zukunftsdimensionen vergöttert. Szenarien wie das unmittelbare Ordern von Produkten aus dem Werbespot heraus, per Click von der Couch aus, wurden durchgespielt und sind längst auch technisch umsetzbar.

Diese scheinbar offensichtlich sinnvolle Verschmelzung von Internet und TV feierte man auf mehreren Branchenveranstaltungen, etwa der IFA in Berlin oder auch den Medientagen in München. Große Reden wurden dazu geschwungen. Schöne Texte, so auch von ProSiebenSat.1-Vorstand Thomas Ebeling.

Doch wie sieht es zuhause aus, bei einem Fernseh-Chef wie Thomas Ebeling? Schaut er schon richtig hybrid? Vorbildlich? "Ich sitze noch mit dem Laptop auf den Knien vor dem Fernseher", gibt er gegenüber der neuen Zeitschrift LEAD digital unverblümt zu. Und er nennt auch den Grund: Seine bevorzugte TV-Marke sei ein "Late Follower".

Seine Marke ist Bang & Olufsen. Da heißen Fernsehgeräte etwa "Beo Vision". Und der Slogan des Designgeräteherstellers lautet: "Von unseren Träumen in Ihr Leben." Und das sind keine hybriden Träume.

Samstag, 22. Oktober 2011

TV-Chef kündigt Terrorakt an

Die Medientage München, Vanity Fair der Medien-Manager, lockte an den drei Tagen diese Woche rund 5000 Menschen an. Die meisten von ihnen, so schien es, weil sie selbst auf einem Podium mit einer Sprechakttheorie auffallen wollten.

Ein Geschäftsführer eines Fernsehsenders wollte in besonderer Weise auffallen: Vor seinen eitelsten Freunden kündigte der Eitle an, sein Panel zu sprengen. Er wollte als Enfant Terrible in die Annalen der 25-jährigen Geschichte der Medientage eingehen und für eine Art medialen Terrorakt auf dem Podium sorgen.

Gleich zur Einstiegsfrage sagte er, dass er die Frage doof fände. Wow! Während der Podiumsveranstaltung hielt er sich zurück. Und bei der Abschlussfrage, die irgendwas mit Zukunft und Wünschen zu tun hatte, grinste er breit, machte eine lange Pause und sagte zum Publikum: "Ich finde es toll, wie jetzt alle zu mir gucken und warten, was ich jetzt sage..." Er schien also kurz davor zu sein, die Bombe platzen zu lassen und beendete seinen Auftritt mit den Worten: "Schaut meinen Sender!"

Das war wohl eher eine Art Selbstsprengung. Aber die vermutlich authentischste Art, seinen Sender so zu repräsentieren, wie er ist: Inhaltslos!

Sonntag, 16. Oktober 2011

Alte Gags zu verkaufen

Wollten Sie schon immer mal wieder alte Gags hören? Vergilbte Kalauer, olle Witze? Der Radiosender SWR3 hat damit geworben, an diesem Wochenende wieder alte Gags zu spielen. Alte Gags, die Sie längst wieder hören wollen. Geworben? Gedroht! Gewalttätigt!

Alte Gags im Radio zu spielen ist mutig. Oder billig. Oder fahrlässig. Im Prinzip ist es doch so, als würde eine Zeitung alte Nachrichten abdrucken. Oder als würde ein Fernsehsender alte Wetterberichte zeigen. Die wären in diesem Sommer sicher beliebt gewesen. Auch Radiosender könnten der Gesellschaft Gutes tun. Aber nicht mit alten Gags, sondern mit alten Verkehrsmeldungen. Zum Beispiel die vom Sonntag am Montag bringen. Oh je, das klingt nach altem Gag...

Freitag, 7. Oktober 2011

Danke, Steve, gute Ausbeute!

Die große, weltweite Erschütterung, gestern. Nein, nicht weil Sarah Palin nun doch nicht als potenzielle US-Präsidentin gegen Obama antreten will. Mehr Trauer erzeugte dann doch der Tod von Steve Jobs, dem i-Gott.
Für was wir ihm, dem i-nfach-Macher, dem i-nmalig genialen Menschen zu danken haben, steht in aller Breite auf Foren und in der Presse. Klare Sache, i-pod, -pad, -phone machen Spaß, haben unerreichtes Design, sind ein Paradebeispiel für Hyper-Marketing, sind Fortschritt pur und beeinflussen tatsächlich das Leben in unserer modernen Gesellschaft. Danke, Steve!
So sülzen Politiker und Wirtschaftsbosse in aller Welt Trauerworte zum Tode von Steve, dem echten Daniel Düsentrieb. Das digitale Orientierungsmagazin Wired verfällt auf der Homepage in schwarze Trauer, selbst Feind Samsung und Software-Papst Bill Gates melden sich mit respektierenden Huldigungen, wie wuv.de zeigt. Danke, Steve!
Kein „Danke“ kam aber aus China, genauer gesagt, aus den Fabriken, in denen laut Berichten   Minderjährige an der Produktion von i-Geräten arbeiten, ohne Einhaltung von Mindestlohn, bei oft über 60 Stunden Wochenarbeitszeit. Natürlich ist es für manche Mitarbeiter, die in einem chinesischen Werk das i-phone herstellen sollen, nicht leicht, „Danke“ zu sagen, sprangen in diesem Jahr wohl schon mindestens zehn Mitarbeiter lieber in den Tod, als unter den offensichtlich dramatischen Bedingungen ein i-phone zu produzieren. Auch sollen mehrere Dutzend Mitarbeiter so stark kontaminiert sein, dass sie das Alter von 56 Jahren wohl kaum erreichen werden.
In China ist man von einem Euro Stundenlohn noch weit entfernt, was für eine fette Beute. Für wen auch immer. Von wegen Ausbeutung? Dafür sind i-pad & Co ja hierzulande auch so billig. Danke, Steve!
Der Visionär Steve Jobs, der selbst einmal Armut erlebt hatte, der selbst einmal den Müll nach Pfandflaschen durchkämmte, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, äußerte sich erst jüngst zu den Arbeitsbedingungen im südchinesischen Shenzhen, als er von den vielen Selbstmorden erfuhr. Er würde die Bedingungen überprüfen, hieß es. Er verwies aber darauf, dass selbst die USA eine höhere Suizidrate hätten. Danke, Steve!
Laut diversen Internetforen habe Apple angekündigt, sich von derartigen Zulieferfirmen zu trennen. Bislang scheint es bei der Absicht geblieben zu sein.
Immerhin haben die Zulieferfirmen, die natürlich auch für andere Computerfirmen arbeiten, selbst gehandelt: Im südchinesischen Shenzhen wurden unter den Fenstern einer Computerfabrik Netze aufgespannt. Sie sollen Herabstürzende auffangen. Ein Netz für die Ausgebeuteten. Quasi ein Social Net. Danke, Steve!

Samstag, 1. Oktober 2011

Bildsprachlosigkeit

Die Bebilderung von journalistischen Ergüssen ist für Blattmacher oft eine große Herausforderung. Gerade in der Werbefachpresse. Wie wollen Sie Themen wie Mediaplanung abbilden? Oder Trading? Oder Realtime Bidding? Oder auch nur Quoten?

Aber auch Tageszeitungen und Zeitschriften haben es nicht immer einfach. Zum Beispiel, wenn es um die visuelle Umsetzung des Themas "Private Vorsorge" geht. Einfach Geld, Gold und Immobilien zeigen? Wie langweilig.

Eine durchaus überraschende Inszenierung boten die lieben Kollegen der Süddeutschen Zeitung. Zu Themen wie "Vollmachten bei Demenz oder im Todesfall", "zusätzliche Altersvorsorge" oder "Absicherung von Pflegeversicherung" zeigten Deutschlands beste Zeitungsmacher etwas, was garantiert noch nie zu diesen redaktionellen Inhalten abgebildet wurde: Ukrainische Topmodels.

Die Bildunterschriften lasse ich weitgehend unkommentiert - wie gesagt, es geht um "Private Vorsorge".
Beispiel 1: "Jung und schön - das sind alle Teilnehmer beim ukrainischen Friseur-Wettbewerb. Doch was, wenn diese Güter schwinden? Nur frühe Vorsorge hilft."
Beispiel 2: "Kurz oder lang - die Meinung gehen da auseinander. Auch die Resonanz auf staatliche Förderprogramme ist unterschiedlich." Da gehEN Meinungen wirklich auseinander.
Beispiel 3: "Hochhinaus - eine solche Turmfrisur ist ein Hingucker, aber nicht alltagstauglich. Ähnliches gilt für eine vernünftige Immobilienanlage."
Beispiel 4: "Gel und Glitzer: Manche Effekte halten nicht ewig. Auch der Goldanteil im Depot muss immer wieder überprüft werden."

Als Blattmacher lerne ich, dass man ukrainische Frisuren zu allen Themen abbilden kann, also auch zu Mediaplanung, Trading und Quoten.
Als Leser lerne ich daraus, dass die beste Altersvorsorge ukrainische Models sind. Aber Vorsicht: Nur frühe Vorsorge hilft.

Montag, 26. September 2011

Unfreiwillige Wortkombination

Mit der Platzierung von Anzeigen können durchaus merkwürdige Konstellationen passieren. Etwa durch das - aus Werbersicht - redaktionelle Umfeld von Anzeigen. Wenn also zum Beispiel neben einer Störungsmeldung eines Atomkraftwerkes ein Energiekonzern mit "Vertrauen" wirbt.

Werbung für Ass-Licker?
Doch auch bei Kleinanzeigen, etwa von Immobilienmaklern, kann es zur unfreiwilligen Komik kommen. So diese Woche im Winnender Wochenblatt. Da wirbt die Firma Licker Immobilien neben dem Unternehmen Class Hausbau. Das an sich klingt nicht komisch.

Komisch wird es erst, wenn man die Anzeigen sieht, so wie sie platziert sind, also nebeneinander: Man lese ab dem ganz großen A: "ASS" neben "Licker". Ja, das steht da, schwarz auf weiß - oder vielmehr weiß auf schwarz in schwarzem Balken. Honi soit qui male y pense...

Samstag, 17. September 2011

Offen für alle Welt

Der Italiener an der Ecke, hat der eigentlich geöffnet, heute? Und der Fensterbauer, wann schließt der denn, damit wir unsere kaputte Scheibe mal reparieren lassen können? Dank Internet ist es ja kein Problem mehr, das zu recherchieren, Click - Click, schon weiß man, wann alle Welt geöffnet hat.

Leider sind aber nicht alle Kleinunternehmer, Gastronomen, Handwerksbetriebe offen für alle Welt. Immer noch haben selbst etablierte Firmen keine Homepage. Und wenn, dann nutzen sie das Internet einfach nicht richtig, um über ihr Tun, ihr Dasein und ihre Öffnungszeiten zu informieren.

Der Italiener, immerhin, hat eine Homepage. Statt Fotos von seine Räumlichkeiten zu zeigen, sind dort nur Fotos von einer uralten Frau in einem uralten italienischen Dorf zu sehen. Und unter Öffnungszeiten heißt es: "Dienstag geschlossen".

Auch der Fensterbauer hat eine simple Homepage. Hier heißt es unter Öffnungszeiten wörtlich: "Keine Öffnungszeiten vorhanden."

Sonntag, 11. September 2011

Szenen zum 11. September

Man könnte es als spannend interpretieren, was man sieht, wenn man zum zehnten Jahrestag des 11. September in eine Fernsehzeitschrift schaut. Der Tatort in der ARD, Rosamunde Pilcher im ZDF zur Primetime, ok. Männersache auf RTL mit Mario Barth, soso. Transformers auf ProSieben und die Vulkan-Apokalypse auf RTL II.

Nein, das kann man nicht verurteilen. Das Urteil über all die Formate kann eh nur eine fällen, meine TV Movie: "Anklagendes Finale voller Dramatik" wird der Tatort beurteilt, mit den Worten "gigantisch gutes Trickfeuerwerk" der Film Transformers, "gnadenloser Humor" wird Mario Barth unterstellt.

Natürlich bieten die Sender auch jede Menge Filmmaterial und Interpretationen zum Terroranschlag. Das TV Movie-Urteil zu "9/11 - Die letzten Minuten im World Trade Center" auf RTL ist kurz und knapp ausgefallen. Dafür aber mit der bestmöglichen Bewertung, die TV Movie zu bieten hat. Es heißt hier aber nicht "klasse", "clever" oder "stark" wie bei den Filmen drumherum, sondern, höchstes Lob: "Grauenhafte Szenen".

Mittwoch, 7. September 2011

Kinderausverkauf!

Natürlich können sie nerven, stinken, laut sein. Ihr Unterhalt ist durchaus kostspielig, ihr Unterhalt-ungswert dafür umso wertvoller. Kinder sind so verletzlich (fast wie Männer), mit zunehmendem Alter können sie aber auch verletzbar sein. Kinder wachsen immer dann, wenn sie neue Klamotten haben, so dass sie immer zu kleine Kleidung tragen. Kinder haben unaufgeräumte Zimmer, klebrige Hände und spielen Nintendo. Das alles kommt der Wahrheit schon recht nahe.

In der Werbung dagegen sind Kinder blitzblank sauber, angenehm frech, perfekt genormte Kleinstbürger. In Studien von Verlagen und Fernsehsendern werden sie als solvent dargestellt, als markenbewusst, als konsumfreudig. Kurz: Kinder kaufen gern.

In Leipzig: Kinder zu Schleuderpreisen
Kinder kaufen? Gern! Wer will das nicht gern, Kinder kaufen? Ein Geschäft in der Leipziger Innenstadt wirbt mit dem Schild: "Kinder 30% bis 50%". Soll heißen, Leipziger verkaufen allerlei Kinder zu Rabattpreisen? Nur, weil sie nerven, stinken, laut sein können?

Oder heißt die potenzielle Klientel des Leipziger mutmaßlichen Kinderhändlers Nike, H&M oder Zara? Nein, das kann natürlich nicht sein, sonst würden wir diesen Marken womöglich Kinderarbeit unterstellen. Dabei sollen das doch so liebevolle Arbeitgeber in Indien bzw. Südamerika sein. Wo es nie zu Problemen kommt.

Freitag, 26. August 2011

Loriot: Abschied mit Zeugnis und Spaß!

Natürlich ist es nicht einfach, mit einem Todesfall umzugehen. Erst recht nicht, wenn es um einen Prominenten geht und um Öffentlichkeit. So war es in den vergangenen Tagen auch beim Tod von Vicco von Bülow alias Loriot. Humor und Trauer, wie kriegt man das unter einen Hut?
Die gesamte Tagespresse – bis auf die Wirtschaftstitel – nahm Loriot auf Seite 1 mit und quälte sich mit humoristischen Anspielungen. Angefangen mit der FAZ („Er läuft nicht mehr“ – neben dem Cartoon von Loriots Comic-Helden, „ja wo laufen sie denn?“) über die Frankfurter Rundschau („Früher war mehr Lametta“), die hier doch eher nüchterne SZ („Abschied von Loriot“), bis hin zur großformatigen Ausgabe der Welt („Der letzte Vorhang“). Selbst der Bild-Zeitung ist nicht wirklich viel eingefallen: „Loriot tot!“ Unterzeile: „Danke für das Lachen“.
Aber ausgerechnet einer anderen Boulevardzeitung ist es besonders gut gelungen, Loriot stilvoll auf den Titel zu bringen, leise, würdigend, stilvoll: Berlins BZ. Sie zeigte schlicht die leere Couch vor schwarzem Grund auf der gesamten Seite und schrieb darüber nicht mehr als: „Loriot (1923-2011)“. Respekt.

BZ: Ein Leerstück!

Auf dieselbe Idee, die Couch abzubilden, kamen zwar auch die Springer-Kollegen der Welt-Kompakt, doch texteten sie zu plump: „Sein Platz ist leer“.
Nach der redaktionellen Verarbeitung folgten jetzt die Traueranzeigen. Zum Beispiel die der öffentlich-rechtlichen Sender. Charakterisierungen in Todes-Annoncen wirken ja immer ein wenig wie Zensuren. Folgende Beurteilung gaben die ARD-Anstalten in ihrem letzten Zeugnis über Loriot ab: „Einzigartig und unvergleichlich. Komiker, Schauspieler, Karikaturist, Regisseur, Autor, Humorist – oder einfach ein Mensch, der uns zum Lachen brachte.“ Klingt nicht nur gegen Ende ein bisschen so, als ginge es um die vorgezogene finale Beschreibung von Helmut Kohl.
Geschmacklos? Als geschmacklos wird die Anzeige diskutiert, die der Art Directors Club (ADC) in der FAZ ganzseitig schaltete: „Lieber Gott, viel Spaß“. Loriot, einstiger Werbegrafiker und Ehrenmitglied des ADC, hätte an dieser Anzeige sicher seinen Spaß gehabt. Auch wenn er anlässlich seines 85. Geburtstags auf die Frage hin, was auf seinem Grabstein stehen sollte, nach langem Überlegen geantwortet hatte: „Ich denke, der Name wäre günstig!“

Freitag, 19. August 2011

Sascha Lobo und der Buchstabentrick

Die Idee ist so einfach wie genial: Man nehme einen Markennamen, den man neu positionieren will, lasse den ersten und letzten Buchstaben weg und erfreue sich daran, dass man quasi den Marken(namen)kern unangetastet weiterleben lassen könne. So hat der Kreative Sascha Lobo, als er vor langer, langer Zeit noch bei Werbeagenturen arbeitete, für den Kunden VW die Idee gehabt, das Volksrennwägelchen Scirocco in dieser Weise zu bearbeiten. Lobo ging hier sogar noch einen Schritt - ähm, Buchstaben - weiter und ließ vorne wie hinten gleich je zwei fette Buchstaben weg.

Übrig blieb also iroc. Daraus sollte eine Kampagne gestrickt werden mit dem Tenor: I rock... Entsprechend sollte das Model auf den englisch ausgesprochenen Namen hören. Der damalige Vorstand des Automobilriesen soll begeistert gewesen sein, doch musste der VW-Chef damals seinen Hut nehmen, aus anderen Gründen freilich.

Das ist nun schon Jahre her. Kaum einer mag sich an dieses Episödchen erinnern. Wirklich nicht? Dann mag es Zufall sein, dass VW sein jüngstes Mini-Fahrzeug schlicht Up nennt, die verkürzte Form des größeren Bruders L-up-o... Kein Grund zum Ärgern für Asch Ob!

Freitag, 12. August 2011

Mehr Damen per Click

Übersetzungen von Sites im Internet können sehr hilfreich sein. So lässt sich zum Beispiel die Homepage der spanischen Schuhmarke Castañer auch auf Deutsch lesen. Und so lässt es sich entsprechend auch auf Deutsch shoppen.

Wer die erste Reihe Schuhe durch hat, der hat die Wahl: "Mehr braune Schuhe" steht auf dem ersten von drei Buttons. Die weiteren Buttons könnten vereinzelt zu Irritationen führen:

"Mehr braune Damen" kann man etwa per Click mit dem zweiten Button ordern. Und "mehr Damen von Castañer" verheißt Clickoption Nummer 3. Aha. Vielleicht handelt es sich ja gar nicht um einen Übersetzungsfehler, sondern um eine schäbige, kriminelle Frauenhandelsorganisation. Oder es ist eine dieser Fallen vom BND oder der Internetpolizei...

Wie komm ich da bloß raus aus der Nummer? "Nein, Herr Beamter, ich hatte nie vor, mit Damen Handel zu betreiben... Ich wollte nur Schuhe bestellen!" Die Antwort der Behörden könnte lauten: "Die Seite war doch wohl klar genug formuliert. Schuhe kaufen, was für eine armselige Ausrede. Dabei war die Site doch extra ins Deutsche übersetzt worden!"

Dienstag, 9. August 2011

Geiles Aachen

Ja, es ist bekannt, dass die Elektromärkte von Saturn Probleme haben. Nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit ihren Kunden, vor allem dann, wenn diese Online-affin sind. Denn online Elektrowaren bestellen, zum Beispiel Computer, das ging bislang nicht.

Wer es dennoch wagte, die Online-Seiten der Saturn-Kette zu besuchen, der konnte sich über individuell zugeschnittene Sonderangebote erfreuen. Individuell, nein, da ging es nicht um die Interessen des Kunden, nicht um eine Selektion nach Mann und Frau, individuell war lediglich der Ort des Händlers, der um einen werben durfte. So viel Technik bei einem Technikriesen.

Da ich mich aufgrund meiner vielen Wohnorte, Winnenden und München, nicht für einen ganz bestimmten Händler entscheiden wollte, klickte ich bei Saturn.de sofort auf "Los". Ja, dann ging es los - und es lässt mich auch nicht mehr los: Ich erhalte sämtliche Angebote und Informationen vom Saturnmarkt aus Aachen. Dem an oberster Stelle genannten Saturn-Markt. Nicht, dass mir Aachen völlig egal wäre... Doch, zugegeben, es ist mir völlig egal. Zumindest die Angebote des Saturnmarktes von Aachen. Also schrieb ich der Kundenbetreuung.

Die Antwort kam. Mein Problem war dort bekannt. "Wir wollen unseren Kunden damit den schnellen und direkten Zugriff auf ihren Lieblingsmarkt sichern. Leider hat dies auch die Auswirkung, dass unsere anderen Standorte nicht mehr ausgewählt werden können." Das steht da. Wörtlich. Als Antwort.

Ausführlich erläutert Saturn in der gut 30-zeiligen Mail, wie sich diese widerspenstigen Cookies je nach Browser löschen lassen. Bei der sechsten Zeile dieser liebevollen Regieanweisungen gab ich auf. Ich wollte aber nicht weiter mit Sonderangeboten von Lockenstäben aus Aachen bedroht werden und beschloss, einen neuen Computer zu kaufen. Ich würde ja gerne online bestellen - aber nicht bei Saturn in Aachen. Aachen bleibt Aachen und geil ist alles andere als geil.

Mittwoch, 3. August 2011

Wahl in Berlin: Ausweitung der Retusche-Affäre

Ob ihre Fältchen um die Augen herum sichtbar sind oder nicht, das Strahlen einer Julia Roberts bezaubert freilich auch ohne die kreative Leistung einer Werbeagentur. So gesehen mag die Retusche-Affäre, ausgelöst durch die Werbeverbote der britischen Werbeaufsicht, völlig sinnlos erscheinen.

Noch sinnloser erscheint das Postulat der britischen Werbeaufseher, Gesichter ehrlicher abzubilden. Darf man uns Verbrauchern und Kunden das antun und uns in der bisher so makellosen heilen Werbewelt Menschen vor Augen führen, wie wir sie aus Krankenhäusern und aus Mallorca kennen? Wollen wir wirklich sehen, wie wir selbst aussehen? Warum, bitte schön, sollen wir so leiden müssen?

Ganz radikal dem Schönheitswahn verfallen zu sein scheint ausgerechnet die grüne Spitzenkandidatin der bevorstehenden Berliner Wahl, Renate Künast. Wie sie im Alltagsgebrauch aussieht, zeigt zum Beispiel die Wirtschaftswoche per Click. Wie sie nach der Berliner Retusche-Affäre aussieht, zeigt sie selbst auf Plakat.

Das Face-Tuning, das jede Gesichtserkennungssoftware überlisten würde, soll nicht nur Wählern den Kopf verdrehen - auch den Pfeil ihres eigenen Slogans hat es verdreht. So mag es ihr Arbeitstitel gewesen sein, der auf ihren Kopf zeigte: "Da müssen wir ran!" Dieser Schritt hat ja mit der Bildbearbeitung wunderbar geklappt.

Nun zeigt der Pfeil von Renate Künast unverblümt auf ihre Brüste. Ehrlich gesagt, kommt er jetzt schon etwas frauenverachtend rüber, ihr Slogan: "Da müssen wir ran!" Ist es wirklich das, was die Berliner wollen? Tja, wer die Wahl hat...