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Montag, 28. März 2011

PR der Ahnungslosen

Sie hauen in die Tasten, ohne groß über den Sinn dessen nachzudenken, was herauskommen soll: digitale Pressefuzzis. Oder pressige Digitalfuzzis. Entsprechend trifft jede Menge Babylonisch-Sprachwirriges in der Redaktion ein.

Heute kam eine Meldung an, die ernsthaft mit folgender Headline locken wollte:
"Instaprint instaprints your instaparty instagrams instantly".
Um was es in dieser Meldung ging? Keine Ahnung. Irgendwie um "filter-tastic social photo apps". Absender der Meldung ist techland.time.com.

Mehr denn je bewundere ich unsere Redakteure im Digital-Ressort. Ihr Job besteht aus extrem anspruchsvollen Übersetzungsarbeiten. Es sind quasi transsilvanische Translation-Transmissionsriemen-Transporter. Respekt!

Freitag, 25. März 2011

Der Targeting-Test: Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

Wer mehr über sich erfahren will, kann zum Psychiater gehen - oder, viel einfacher, schneller, moderner, mal auf den Websites schauen, welche Werbung einem begegnet. Denn Targeting zeigt einem, wer man ist. Targeting ist schließlich das Ergebnis eines hochtechnisierten Cookiekrümmelaufspürverfahrens. Heißt: Alle Spuren, die man so gemein im Internet hinterlässt, fügen sich so zusammen, dass man mit getargeter Werbung individualisiert angesprochen wird.

Blickt man in unserer Redaktion einem Kollegen, männlich, weit überdurchschnittlich intelligent, technisch versiert, vielseitig interessiert, am Computer über die Schulter, blickt man auf die Werbung, die das Targeting für ihn ausgesucht hat: "Jeder 5. Mann über 40 leidet unter Erektionsproblemen" - per Click geht es dann zu einem Viagra-Produkt.

Einer langjährigen Mitarbeiterin, unglaublich professionell, schnell und fleißig, stets auf der Jagd nach News, testiert das Targeting folgende Werbung: "Wie weckt man den Büroschläfer wieder auf?" - ein Hinweis auf den Energiedrink Red Bull.

Nachdem ich von diesen wertvollen Charakteristika meiner Kollegen erfahren habe, dachte ich mir: Mach doch auch mal den Targeting-Test. Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Die Antwort: Mir wurde eine Silikon-Dauerbackmatte für 9.99 Euro empfohlen. Von Tchibo. Vielleicht, weil ich so überhaupt nicht backen kann...

Mittwoch, 16. März 2011

Nutellas neue Kleider

Eine wirklich schöne Umhängetasche von Kappa. Unser einstiges Aupair, ein Immergutelaunemensch, ist glücklich.
"130 Punkte"
"Wie bitte?"
Und ein wirklich schönes Polo-Shirt von Kappa.
"Nur 90 Punkte."
Wir verstehen nicht.
Aber unser Ex-Aupair klärt auf: Nutella hat grad eine Aktion. Auf jedem Deckel sind zwei Sammelpunkte. Und diese könne man in Kappa-Produkte einlösen. Sports Meets Style.
Nun entdecken wir jede Menge weitere Kappa-Dinge.
"Alles von Nutella", strahlt die junge Frau. Auch ihren Freund hat sie neu eingekleidet.
Das müssen Lastwagen von Nutella-Gläsern gewesen sein, überlegen wir. Sie ist doch nicht etwa auf den billigen Marketingtrick von Ferrero hereingefallen, die Arme?
Nicht wirklich: Unser einstiges Aupair hat neulich schlicht Crėpes verkauft. An einem Stand. Und fast jeder wollte Nutella drauf. Am Ende waren es einige hundert Gläser.
Eine Punktlandung.

Donnerstag, 10. März 2011

Spiegel: Winnenden scheitert an Uschi

Anruf vom "Spiegel": "Wir wollen gerne ein Interview mit Ihnen machen, zu Ihrem Winnenden-Buch."
"Das finde ich aber honorig von Ihnen, dass Sie das vorhaben, trotz meiner starken Kritik am Spiegel..."
"Ähem, ich habe das Buch noch nicht gelesen. welche Kritik denn?"
"Na, zum Beispiel, dass Sie den Täter auf's Cover genommen haben. So was macht man nicht!"
"Da haben Sie auch Recht!", so der Spiegel-Journalist.
Um 16 Uhr soll das Interview stattfinden.
Kurz davor eine SMS: Leider müsse man das Gespräch absagen, es sei ein anderes Gespräch hereingekommen.

Was war dem Spiegel nun wichtiger als die kritischen Winnenden-Worte zu Medien, Waffen und Politik? Wer kam also auf die Aufmacher-Seite der Ressorts Gesellschaft oder Medien?

Entweder war es Uschi, genauer gesagt der Briefverkehr mit Uschi Obermeier, Jimi Hendrix & Co, eine Briefkollektion, die Hellmuth Karasek in ein Buch gepresst hat - Seite 52 im aktuellen Spiegel.

Oder es war Uschi, auf die sich nichts reimt. So steht es wohl auf T-Shirts, die sich Unsympath Mario Barth hat patentrechtlich schützen lassen, obgleich der Spruch so gar nicht seine Idee war (Seite 139). Uschi hat jedenfalls mit Winnenden eines gemein: Nichts reimt sich auf... Uschi wie Winnenden.

Sonntag, 6. März 2011

Die Situation in Winnenden vor dem Jahrestag

Ein bisschen herrscht hier in Winnenden Angst vor dem Jahrestag. Am Freitag ist es zwei Jahre her, dass der sogenannte Amokläufer 15 Menschen erschoss. Dieses Jahr soll alles stiller zugehen als vor einem Jahr, als noch Bundespräsident und Minister kamen. Klar, Gedenkgottesdienste wird es auch in diesem Jahr geben. Und eine kleine Gedenkfeier, diesmal mitten in der Kleinstadt, am Marktplatz. Und die Glocken der Stadt werden läuten. Ab 9.33 Uhr, was hier sehr umstritten ist. Denn die Hulgigung an die exakte Tatzeit ist letztlich auch eine Heroisiering der Tat.

Gut, dass diese Woche Ferien sind. Entsprechend ist an den Schulen nichts geplant. Und die Albertville-Realschule hat es schon fast geschafft: Gleich einer Metapher ist der Rohbau vor der bekannten Fassade des Gebäudes fertig. Neues drängt sich vor die schrecklichen Erinnerungen. Das kann nur gut sein.

Dort, wo bis vor wenigen Wochen noch die Container der psychologischen Betreuung standen, an der Stadthalle, gegenüber der Albertville-Realschule, da hat sich in den letzten Tagen ein Zirkus einquartiert. Das mit Kindertränen gefüllte Grau entwich dem mit Kinderlachen gefüllten Bunt. Das Leben geht weiter. Geht es?

Mich sprach eine Mutter an, als ich mein Winnenden-Buch vor kleinem Publikum in Winnenden vorstellte. Ihr Sohn, sagte sie, sei damals in dem Klassenzimmer gewesen, wo es die vielen ermordeten Schüler gab. Jetzt, sagt sie, sei er so weit. Der Sohn gehe freiwillig zur psychiatrischen Behandlung. Es sei der größte Fortschritt seither. Das Seither ist nun zwei Jahre alt. Mit niemandem mehr könne die Familie sprechen, wenn es um das Winnenden gehe. Nicht einmal Verwandte könnten heute noch das Wort Amoklauf hören, beklagt die Mutter. Und Freunde schon gar nicht. Deshalb freue sich die Mutter so, dass es das Winnenden-Buch gebe, "weil ich mich nun nicht mehr so allein fühle". Weil sie nun wisse, dass der ganze Ort, alle Menschen so betroffen wären.

Gehen die Kinder morgens zur Schule - oder mittags zur Freundin - rufen sie lautstark: "Ich liebe dich" als Abschiedsgruß durchs Haus. "Warum macht ihr das denn immer?", fragen wir Eltern. "Weil man nie weiß, ob es die letzten Worte sind, die wir miteinander gesprochen haben", sagt meine Tochter. "Wir haben in der Schule darüber diskutiert. Man darf nie im Streit auseinandergehen..." Diese Sätze fielen heute. Nicht vor ein, zwei Jahren.

Ein Nachbarspaar sprach mich an. Ganz liebe, ältere Menschen. Weil ich ein Buch über Winnenden geschrieben habe, wollten sie mir ihre Geschichte erzählen. Wie sie damals im Schwimmbad waren, im Wunnebad. Und dann seien all die Kinder ins Bad geströmt. Manche seien blutig gewesen. Das ältere Paar hätte natürlich nicht gewusst, was denn passiert sei. Dann die Sirenen, die Polizei, die Krankenwagen, die Hubschrauber... Erst später wussten sie, dass alle unmittelbar betroffenen Schüler ins Schwimmbad geflüchtet waren.

Es war das erste Mal, dass mir die Nachbarn ihre Geschichte von damals erzählt hatten. Jeder hier hat seine Geschichte. Jeder weiß noch exakt, was er getan hat, damals. Und die Wunden der Erinnerung reißen immer wieder auf.

Ob die Presse jetzt wieder über den kleinen Ort einfallen wird, so wie damals? Diese Frage stellen sich viele Menschen hier. Einige Journalisten haben massiv Fehler gemacht, damals. "Rund um den Ort des Massakers sieht es aus wie auf einem Rummelplatz. Hunderte von völlig schockierten Kindern, Vätern und Müttern. Rummel rund um Blumen, Kerzen, Trauer. Eine von illustren Medien eingekreiste Leere. Die Fassungslosigkeit wird umzingelt, um sie aufzusaugen. Vampirartig werden Trauernde überfallen, angezapft, in ihrer Intimsphäre gestört", beschrieb ich es in meinem Buch, der "Tatort, Futterstelle für Journalisten."

Vielleicht haben Medien ja aus Winnenden gelernt. Täter müssen nicht auf Titelseiten erscheinen. Schüler, die unter Schock stehen, müssen nicht interviewt werden. Beerdigungen müssen ihre Privatsphäre haben dürfen. Da muss nicht heimlich über Friedhofsmauern fotografiert oder gefilmt werden. Natürlich, das muss man zugeben, haben die meisten Journalisten sauber, respektvoll gearbeitet. Einige standen selbst unter Schock, als sie hier in Winnenden angekommen waren. Ein Redakteur hat mir davon ausführlich berichtet. Denn auch Journalisten sind in der Regel auf so eine Ausnahmesituation nicht vorbereitet. Niemand ist es.

Dienstag, 1. März 2011

Winnenden-Buch: eine Selbstkritik

Ok, das Nachwort meines Buches hätte wohl besser das Vorwort sein sollen. Dann hätte auch der flüchtig lesende Kritiker gemerkt: "Sämtliche Texte entstanden unter dem unmittelbaren Eindruck des jeweils Erlebten. Diese Direktheit, oft auch Meinung, ist beabsichtigt. Je reflektierter die Texte wären, desto distanzierter wären sie."

Es geht um das Buch "Winnenden. Ein Amoklauf und seine Folgen". Erschienen vor wenigen Tagen. Die meisten Kritiker haben es verstanden. Etwa Christine Lübbers. Oder Daniela Remus vom NDR.

Was mich überrascht ist, wie viele Journalisten nicht mit Kritik umgehen können. Weil ich in dem Buch einige wenige Kollegen an den Pranger stelle - deren Fehler ich konkret benenne - verteufeln manch Redakteure reichweitenstarker Medien das Buch als "pauschales Abwatschen der Medien".

Ich hoffe, das Buch regt den einen oder die andere zum Denken an. Und ich hoffe, es trägt zur Meinungsbildung bei. Und zur Diskussion. Über die Verantwortung der Medien etwa.

Wer sich einen Eindruck der Texte verschaffen will, findet bei DVA eine Leseprobe.

Sonntag, 27. Februar 2011

Gadhafi: Mein Palast, mein Zelt, mein Bunker!

Was sind wir doch traurige Kreaturen, hierzulande, wenn wir nur mit meinem Haus, meinem Auto und, wie jüngst hier durch einen Post gelernt, meinem Parkplatz blöffen können. Wer sich heute die Nachrichtensendungen angeschaut hat, konnte das Areal sehen, in das sich Oberst Gadhafi in Libyen zurückgezogen hat. Hier kommen genau drei Begriffe vor:
sein Palast, sein Zelt, sein Bunker.
Wer, bitte schön, kann da noch mithalten?
In den nächsten Tagen kommt aber noch etwas dazu: seine Zeit, die gekommen ist, um endlich zu verduften.

Samstag, 19. Februar 2011

Bayreuther Groteskspiele

Einleitung: Das Abschreiben ist per se gar nichts Neues. Bis ins 19. Jahrhundert war das Plagiieren gang und gäbe. Nur um Autoren zu Ehren, wurde zitiert. Stop. Diese ersten Sätze sind, zugegeben, abgeschrieben. Nicht aus der FAZ, sondern von der Stuttgarter Zeitung von heute, Seite 20.

Hauptteil: Was bisher kaum oder gar nicht thematisiert wurde, im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre um unseren Verteidigungsminister von Guttenberg, ist der katastrophale Umgang mit dem Thema - und zwar von der Universität Bayreuth selbst. Sie hat die Dissertation angenommen, durch einen erlauchten Kreis gebildeter Koryphäen geprüft,... Moment mal: Wusste vielleicht keiner der Bayreuther Wissenschaftler, dass es inzwischen Internet gibt. Sogar in der alten Barockstadt. Das kann man auch nicht wissen, wenn man sich in alten Bibliotheken verschanzt. Obwohl: So alt ist diese Bildungseinrichtung gar nicht, sie wurde erst 1975 gegründet. Tja, auch nicht ganz richtig. 1743 schon wurde das damalige Bildungszentrum von Bayreuth zur Uni erklärt. Doch es soll Randale gegeben haben, so dass die Uni von der Bevölkerung nach Erlangen vertrieben wurde.

Aber auch Folgendes ist doch längst auch in Bayreuth gang und gäbe: dass wissenschaftliche Arbeiten geprüft werden. Gerade auch auf Plagiatsverdacht hin. Das macht heute jeder Lehrer bei jeder Hausarbeit. Es gibt längst Software für diese Überprüfung. Dagegen könnte sich nicht einmal ein Verteidigungsministerium wehren. So gesehen würde ich als Mister von Guttenberg die Universität Bayreuth in zwei Wochen antreten lassen und zur Rechenschaft ziehen. Schließlich ist es die Universität, die versagt hat. Schlimmer noch: Die Bayreuther nehmen die Sache selbst in die Hand, statt, wie bei früheren prominenten Plagiatsfällen an anderen Unis Usus, das Ganze von einer anderen Hochschule überprüfen zu lassen. Könnten da noch peinlichere Dinge zutage kommen? Statt dass die Uni in Erklärungsnot kommt, werden dem Ex-Studiosus und heutigen Werbeträger des Uni-Videos Fragen gestellt. Was auch spannend ist.

Schluss: Die Marke "Universität Bayreuth" ist nachhaltig beschädigt. Eine Uni, die noch nicht einmal einen Slogan, ein Motto hat, die ein grauenhaftes Laienlogo verwendet. Vielleicht sollte sie sich ein Marketingstudium verordnen. Um selbst daraus zu lernen.

Freitag, 18. Februar 2011

Möpse aus Fruchtgummi

Es war auf der Party des Jahres, wenn es um Schönheit geht. Es war beim Prix de Beautė, in den festlichen Räumen des Kurhauses zu Wiesbaden. Gastgeber war das Hochglanzmagazin Cosmopolitan. Champagner, Kaviar, teure Düfte.

Und dann das: Zwischen den rund 600 schlanken Beinen der Models und Gäste verteilte eine feine Dame Autogrammkarten. Völlig selbstlos nicht von sich, sondern von, nun ja, ihren Möpsen. Genaugenommen geht es nur um einen Mops, ihren Sir Henry, den die Dame auf allen Kanälen vermarktet. So gibt es das Tier auf Porzellantassen, Servietten, Tabletts, Notizbüchern und Geschenktaschen, natürlich auch als Marke für Hundeprodukte wie "Tender Love Sensitiv Shampoo" oder "Love Me Fresh Up Spray".

Die jüngste Kooperation, erzählt die Dame mit der Möpse-Vermarktung, Uschi Ober.., nein, äh, Ackermann, sei ihr Mops mit Haribo eingegangen. So gebe es jetzt "Fruchtgummi-Möpse". In fünf Geschmacksrichtungen. Möpse zum Vernaschen, wie Frau Ackermann sagt.

Freitag, 11. Februar 2011

Jagende Chefs: Frischfleisch für Mitarbeiter

Sie alle hat das Jagdfieber erfasst: Polit-Getier Franz-Joseph Strauss hat sein Leben dafür geopfert, Media-Parodist Alexander Ruzicka hat es in Südafrika mit einer professionellen Jagdunterhosenausstattung geliebt, Daimler-Platzhirsch Jürgen Schrempp hat jüngst erst mit seinen Jagdgelüsten geprahlt.

Jagen an sich mag archaisch sein. Welche Gefühle jedoch werden wachgeküsst, wenn Chefs ihr getötetes Vieh an ihre Mitarbeiter verfüttern? So habe - laut W&V online - der Chef von Condė Nast, Moritz von Laffert, ein selbst erlegtes Wildschwein seinen Mitarbeitern vorgesetzt. Auf dem Spieß. Frisch gegrillt am riesigen Drehgestell, mitten in München, in der Karlstraße.

Noch mehr Fleisch hat die Story von Drogeriekönig Müller aus Ulm. Er schießt einfach gerne auf seine Vogelsträuße, die sich auf seiner Farm auf Mallorca befinden sollen. Das schöne Fleisch darf dann traditionell in der Kantine des Hauptstandortes der Müller-Zentrale in Ulm verfüttert werden. Oder gefuttert werden. Und sogar das Straußenleder wird verarbeitet. Zu Geldbörsen und Etuis. Diese, vom eigenen Chef geschossenen und zu Asseccoires verarbeiteten Tiere gibt es nur in der Hauptfiliale unweit des Ulmer Münsters zu kaufen, ausgestellt in einer eigenen Vitrine im Erdgeschoss. Frei nach dem Motto: Hier schießt der Chef. Oder: Chefs zum Schießen!

Montag, 7. Februar 2011

Abenteuerspielplatz Ägypten

Wer heute schon seinen Briefkasten nach Werbung durchwühlt hat, könnte es gelesen haben:
"Hallo Kinder! Wart ihr schon mal in Ägypten? Im Land der Pharaonen kann man richtig viel entdecken!"
Zu finden ist die redaktionell gestaltete Kinderseite mit dem Aufruf "Kommt mit an den Nil!" in der Werbezeitschrift von Edeka, "Diese Woche". Wow. Ganz schön aktuell. Redaktion im Werbeumfeld soll ja die Glaubwürdigkeit erhöhen. Und das Vertrauen. Denn: Hinter jeder Edeka-Zeitschrift steckt ein kluger Kinderkopf. "Heute", so lernen wir aus der Edeka-Ausgabe, "ist Ägypten ein viel besuchter Urlaubsort..."
Na dann, gute Erholung!

Sonntag, 6. Februar 2011

Hase wirkt

Kinder können den Markenkern intuitiv oft besser beschreiben als hochbezahlte Markenlenker.
Meine 10-jährige Tochter war jüngst in der Stadt verschwunden.
Wo sie war?
In einem Geschäft.
In welchem denn?
Keine Ahnung, wie das hieß.
Dann beschreib es.
Antwort: "Pink, Glitzer, Hasen."
Tally Weijl darf sich freuen. Eine Markenbotschaft, die 10-Jährige sofort verstehen...

Samstag, 29. Januar 2011

Worüber Manager reden: "Mein Haus, mein Auto, mein..."

Wer in Manager-Kreisen über sein Haus, sein Auto,... spricht, ist out. Die In-Themen sind deutlich ausgefallener geworden, es geht zum Beispiel um das eigene Boot. Folgenden Dialog belauschte ich dazu jüngst bei einer Medien-Party in Berlin:
"Ach, Sie haben auch eine Yacht? Wie groß ist die denn?"
"32 Meter!"
"Meine auch! Und wie lang ist sie?"
Der Dialog verstummte.

Bei einem anderen Gespräch ging es um das Golf-Spiel. Aber nicht um das auf der Wiese, sondern im Computer. Ein Schläger, hieß es, koste dort über 60 Euro. Wie gesagt, es handelt sich um einen virtuellen Golfschläger. Und der, sagte der reelle Manager, sei ihm neulich kaputt gegangen. Nach nur zwei Jahren. Nun habe er sich einen neuen Golfschläger kaufen müssen.

Besser noch als "Mein Haus, meine Yacht, mein virtueller Golfschläger" ist aber das, was diese Woche bei der Verleihung des Deutschen Mediapreises in München beim Gläschen Rotwein verraten wurde: "Mein Parkplatz". Ein Manager aus dem Norden des Landes hatte mitten in München, in Fußnähe des Marienplatzes seinen Mietwagen geparkt - auf seinem eigenen Parkplatz. Er liebe es, sagte er, in Innenstädten eigene Parkplätze zu haben. 40.000 Euro habe der in München gekostet. Ein Schnäppchen. Würde er mieten, würden die acht Quadratmeter fürs Auto rund 5000 Euro jährlich kosten, also gut 400 Euro pro Monat. Mein Parkplatz, mein Wahnsinn, meine Güte,...

Samstag, 22. Januar 2011

Hype verpennt: Internationaler Jogginghosen-Tag

Schüler, die nicht in der Jogginghose zur Schule gegangen sind, waren gestern die Outsider. Sonst ist es umgekehrt. Insgesamt waren gestern 569.000 Menschen in Deutschland mit der guten alten Jogginghose unterwegs, um dem zweiten Internationalen Jogginghosen-Tag zu gedenken.

Jedes Kind wusste darüber Bescheid, weil man sich über Social Communities ausgetauscht hatte. Und zu Jogginghosen-Partys aufgerufen hatte. Und sich zu Jogginghosen-Dates verabredet hatte. Die Idee zu diesem Großereignis entstand in Facebook vor einem Jahr. Wohl von Schülern. Bis zu 100.000 sollen vor einem Jahr schon mitgemacht haben, indem sie sich in Schlabberklamotten aus dem Haus wagten.

Gestern wurde das gemütliche Beinkleid in mindestens 30 Ländern gesichtet, beim „Sweatpants Day“, wie die Amerikaner den Tag nennen. Insgesamt haben sich also hochgerechnet rund 15 Millionen Menschen auf das Jogginghosen-Event eingelassen. Komisch, dass diese Chance von Marketern überhaupt nicht genutzt wurde. Weder Nike noch Puma oder Adidas gehen auf das Ereignis ein. Googelt man all die großen Sportmarken in Verbindung mit dem Jogginghosen-Tag, kommt man auf: null Ergebnisse. Und das, wo Medien, sogar Bild, den JHD aufgriffen. Adidas & Co haben´s wohl schlicht verpennt. Womöglich in Jogginghose.

Sonntag, 16. Januar 2011

Vergnügen im Urlaub: Private Lache mit Tennisgericht


Je mehr TUI & Co mit Palmen in Paradiesen werben, desto wacher wird der Wunsch nach Urlaub. Doch wer, bitte schön, geht heute noch ins Reisebüro? Wer, bitte schön, wälzt heute noch Papier-Kataloge? Klar doch, das Internet ist es längst, seit Jahren schon, das einem per Klick jede Sehnsucht erfüllt.

Als ich mich jedoch erst einmal orientieren möchte, wie jedes Jahr um diese Zeit, muss ich bei jedem Anbieter erst Personenzahl der Reisenden eingeben, Kinderzahl, Alter von Kind 1, Alter von Kind 2, Zeitraum der Reise, den ich ja noch nicht wissen kann, Ziel, das ich ja noch nicht wissen kann, Dauer, die ich ja noch nicht wissen kann und so weiter. Ist alles eingegeben, kommen Offerten, die ich gleich morgen antreten könnte oder im Februar, allein oder zu acht, nicht aber zu viert im Sommer. Wechselt man den Anbieter, muss alles neu eingegeben werden.

Taucht man dann aber in die Angebote ein, freut man sich über das, was einem unverblümt versprochen wird: In Spanien wird von Villamar ein Ferienhaus mit "privater Lache" angepriesen. Klickt man auf das Foto, sieht man, wie ehrlich die Spanier sind, der Pool gleicht in der Tat eher einer Lache. Zu einer anderen Ferienanlage gehört ein "kleines Tennisgericht". Klar, Court heißt Gericht. Hoffentlich schmeckt es!

Schön ist auch "dieser nette Bungalow", der "zwischen den Hügeln aufgestellt wírd". Womöglich gibt es das Häusle von Hin&Mit? Ein weiteres "Haus steht auf einer netten Verfeinerung", was auch immer das sein soll. "Eine gemütliche Grill-Gebur" wird für eine nächste Ferienanlage angepriesen. Und ein Ferienhaus spricht von "zwei Kilometer Abstand von Lloret de Mar". Auch das ist irgendwie ehrlich. Wer wünscht sich von diesem turbulenten Ferienmekka nicht Abstand - um den Urlaub genießen zu können.

Wer kennt weitere Beispiele von skurrilen Urlaubs-Versprechen?

Freitag, 14. Januar 2011

E-Marketing-Gag der Autobauer

Bis auf einen großen Automenschen saßen sie alle in der ersten Reihe, die Big Bosse der Autoindustrie, die Firmenlenker, wie die Presse so gerne schreibt. Der ADAC lud zum Gelben Engel, einem Preis, der zum siebten Mal in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche vergeben wurde. Unter den Erstereihesitzern waren VW-Chef Martin Winterkorn und sein Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch ebenso zu finden wie die Top-Manager Rupert Stadler (Audi), Bernhard Mattes (Ford), Dieter Zetsche (Daimler), Norbert Reithofer (BMW) und Matthias Müller (Porsche). Einer nur saß weit abgeschlagen in Reihe 6: Wendelin Wiedeking. Und das, wo der einstige Vorstandsvorsitzende von Porsche vor sechs Jahren der erste Preisträger "Persönlichkeit" beim Gelben Engel war.

Die größte Auffälligkeit aber bei diesem großen Gipfeltreffen der Autobranche war, nein, nicht dass der 5er BMW Auto des Jahres wurde, nein, nicht dass in den 20 Sitzreihen unter den rund 500 Gästen lediglich elf Frauen saßen, sondern, wie hinter vorgehaltener Hand über das Thema E-Antrieb diskutiert wurde. Weil Benzin teuer ist und mehr nach Vergangenheit als nach Zukunft klingt, müsse der elektrische Antrieb vermarktet werden. Als sei er die Zukunft. Was er aber nicht sei, sagte mir einer der ganz wichtigen Automenschen. E sei ein Marketing-Gag. Man käme aber nicht umhin, sich darauf einzulassen, in der Kommunikation. Aha.

Dann war es also gar kein Spaß, als Komiker Django Asül behauptete, Mercedes würde sich den elektronischen Antrieb von Märklin bauen lassen. Bosch habe keine Kompetenz gehabt, so eine schwache Leistung abzugeben.

Freitag, 7. Januar 2011

Gier, Lügen und Middelhoff

Es gibt diesen Typus von Manager, der erfolgreich von Misserfolg zu Misserfolg auf der Karriereleiter nach oben stolpert. Böse Zungen behaupten, der Jürgen sei so einer gewesen, der Schrempp. Schon lange vor seiner Zeit als Daimler-Desasteur - unter seiner Regie kam es zum Zusammenschluss von Daimler und Chrysler - führte er den Flugzeugbauer Fokker erfolgreich in einen Verlust von gut zwei Milliarden Euro. Er war es, der für die umstrittende Zerschlagung des Flugzeugbauers Dornier verantwortlich zeichnete, um dann als Daimler-Chef nicht nur den Chrysler-Fauxpas, sondern auch Beteiligungen an Mitsubishi und Hyundai durchzusetzen, Glanzentscheidungen des Stern-Imperiums, die bald wieder zurückgenommen werden mussten. Natürlich war Schrempp schon 2002 mit weit über zehn Millionen Euro Einkommen der höchstbezahlte Manager Deutschlands.

Ähnliche Misserfolgs-Stories, gepaart mit krimineller Energie, werden von noch böseren Zungen einem Thomas Middelhoff nachgesagt. Dass er einst als Bertelsmann-Chef das Napster-Desaster verantwortete und mit Bertelsmann Online auf keinen grünen Zweig kam, verzieh man ihm, da er den Umsatz des Konzerns von 1998 bis 2002 doch verdoppeln konnte. Was sich erlauben Middelhoff aber dann bei Arcandor, das recherchierten insbesondere Spiegel und Süddeutsche Zeitung in der Vergangenheit. Aktuell wird ihm vor Gericht vorgeworfen, seine Anleger bewusst getäuscht zu haben. Middelhoff habe den Aktienkurs positiv beeinflussen wollen - deshalb habe er falsche Aussagen gemacht, hieß es gestern vor Gericht.

Nun gut, ein Jan-Eric Peters, Chefredakteur der Zeitungsgruppe "Die Welt", nach Eigeneinschätzung Erfahren im Aktiengeschäft, habe Middelhoff vertraut und 220.000 Euro investiert, um 50.000 Euro zu verlieren. Da hält sich doch das Middelleid in Grenzen. Wer Manager-Aussagen traut, um dann immenses Eigenkapital zu investieren, der ist doch schlicht nur Opfer seiner eigenen Gier. So wie all die Menschen vor der Dot.com-Blase. Da rannten Lieschen Müller und auch ich von Geschäft zu Geschäft, um den Preis von Siemens-Staubsaugern zu vergleichen. Es ging um vielleicht 200 Euro Gesamtinvest. Aber als damals die Siemens-Tochter Infineon Aktien auf den Markt schüttete, da klang es verlockend, nach Zukunft, Halbleiter, keine Ahnung, was das ist, aber da liegt fetter Gewinn drin. 10.000 Euro aus privater Hand waren plötzlich nichts - den Rest der Geschichte kennen wir.

Viel schlimmer wären doch all die anderen Vorwürfe, die ja eh nicht stimmen und auch mir persönlich nie berichtet wurden, aus dem unmittelbaren Umfeld des Herrn Middelhoff: Dass völlig übertriebene Mieten der einstigen Karstadt-Häuser über die Ehefrau von Herrn Middelhoff abgewickelt worden seien und letztlich zur Insolvenz geführt haben könnten. Nein, das ist bestimmt üble Nachrede, völlig unrecherchiert, so was machen Manager nicht, denn sie haben grundsätzlich nur eines im Schilde: Gutes.

Montag, 3. Januar 2011

Unsterblich mit O2

Dass Papst Benedikt mit Toten kommuniziert, die mal heilig gesprochen wurden, verrät er in seinem aktuellen Buch "Licht der Welt". Womöglich nimmt der Oberhirte dabei via O2 mit dem Jenseits Kontakt auf. Für den Telefonnetzbetreiber sind nämlich alle Kunden heilig. Vor allem dann, wenn sie tot sind. Damit ist O2 päpstlicher als der Papst. O2 will den Tod eines Journalisten, der vor drei Monaten starb, partout nicht anerkennen. Trotz eingereichter Sterbeurkunde.

Wieso das? Das fragt sich die Frau des Verstorbenen. Sie wollte den Vertrag kündigen, die Nummer aber übernehmen. Um bei einem anderen Telefonanbieter deutlich günstiger telefonieren zu können. Mit dem alten, über zehn Jahre alten Vertrag, den ihr Mann einst mit Viag Interkom abgeschlossen hatte, zahlte sie oft mehr als 100 Euro an Gebühren. Pro Monat. Laut den freundlichen O2-Mitarbeitern sei alles kein Problem.
Dem Erstgespräch folgte ein zweites, drittes, viertes, mal mit O2, mal mit dem neuen Telefonanbieter, für "maximal 42 Cent/Minute aus deutschen Mobilfunknetzen". Weit mehr als ein Dutzend Mails gingen hin und her - zuletzt kam am 31. Dezember erneut eine Meldung mit dem Hinweis auf einen "Fehler bei Antrag auf Rufnummernmitnahme". Diese Meldung kam nicht zum ersten Mal. Erstmals jedoch wurde bei O2 festgestellt, dass der Tote noch nicht gekündigt habe. Dies sei jedoch erforderlich. Laut O2 .

Beim heutigen Gespräch mit O2 stellte sich heraus, dass die Kündigung - inklusive Sterbeurkunde - erst am 13. Dezember eingegangen sei. Offiziell. Der Fall sein ganz einfach: Man habe ihn schlicht noch nicht bearbeitet.

Wer also unsterblich werden möchte und nach seinem irdischen Dasein mal mit dem Papst telefonieren will, sollte O2 vertrauen. Damit hat "O2 can do" eine ganz neue Bedeutung.

O2 gibt laut Nielsen rund 90 Millionen Euro für Werbung aus.

Samstag, 1. Januar 2011

Gute Nacht, i-phone!

Wie oft ärgert man sich am Wochenende, weil der Wecker des Handys wieder nicht ausgeschaltet war. Wer am heutigen Neujahrsmorgen zu den Glücklichen gehörte, der ein i-phone der 4.Generation hat, konnte sich freuen: Apple ließ mit seinen Smart Phones heute niemanden wecken. Die ganze Welt der G4´ler konnte seinen Rausch ausschlafen. Ein Programmierfehler, hieß es bei Apple. Schlecht für Piloten, Pfarrer oder Pizzabäcker, wenn sie sich auf ihr i-phone verließen, um pünktlich ihren Job anzutreten.

Mal sehn, welche Tage sich die Programmierer des i-phone sonst noch für das kollektive Ausschlafen der Weltbürger ausgedacht haben.