Die Medientage München, Vanity Fair der Medien-Manager, lockte an den drei Tagen diese Woche rund 5000 Menschen an. Die meisten von ihnen, so schien es, weil sie selbst auf einem Podium mit einer Sprechakttheorie auffallen wollten.
Ein Geschäftsführer eines Fernsehsenders wollte in besonderer Weise auffallen: Vor seinen eitelsten Freunden kündigte der Eitle an, sein Panel zu sprengen. Er wollte als Enfant Terrible in die Annalen der 25-jährigen Geschichte der Medientage eingehen und für eine Art medialen Terrorakt auf dem Podium sorgen.
Gleich zur Einstiegsfrage sagte er, dass er die Frage doof fände. Wow! Während der Podiumsveranstaltung hielt er sich zurück. Und bei der Abschlussfrage, die irgendwas mit Zukunft und Wünschen zu tun hatte, grinste er breit, machte eine lange Pause und sagte zum Publikum: "Ich finde es toll, wie jetzt alle zu mir gucken und warten, was ich jetzt sage..." Er schien also kurz davor zu sein, die Bombe platzen zu lassen und beendete seinen Auftritt mit den Worten: "Schaut meinen Sender!"
Das war wohl eher eine Art Selbstsprengung. Aber die vermutlich authentischste Art, seinen Sender so zu repräsentieren, wie er ist: Inhaltslos!
Jochen Kalka: Sonderbares über Menschen, Marken und Medien. Jok erhält keine Werbeeinnahmen, nimmt keinerlei Finanzen oder Produkte an und entscheidet frei und unabhängig, über was geschrieben wird. Aus ungeklärten juristischen Gründen trotzdem der Hinweis: Anzeige! Werbung!
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Samstag, 22. Oktober 2011
Sonntag, 16. Oktober 2011
Alte Gags zu verkaufen
Wollten Sie schon immer mal wieder alte Gags hören? Vergilbte Kalauer, olle Witze? Der Radiosender SWR3 hat damit geworben, an diesem Wochenende wieder alte Gags zu spielen. Alte Gags, die Sie längst wieder hören wollen. Geworben? Gedroht! Gewalttätigt!
Alte Gags im Radio zu spielen ist mutig. Oder billig. Oder fahrlässig. Im Prinzip ist es doch so, als würde eine Zeitung alte Nachrichten abdrucken. Oder als würde ein Fernsehsender alte Wetterberichte zeigen. Die wären in diesem Sommer sicher beliebt gewesen. Auch Radiosender könnten der Gesellschaft Gutes tun. Aber nicht mit alten Gags, sondern mit alten Verkehrsmeldungen. Zum Beispiel die vom Sonntag am Montag bringen. Oh je, das klingt nach altem Gag...
Alte Gags im Radio zu spielen ist mutig. Oder billig. Oder fahrlässig. Im Prinzip ist es doch so, als würde eine Zeitung alte Nachrichten abdrucken. Oder als würde ein Fernsehsender alte Wetterberichte zeigen. Die wären in diesem Sommer sicher beliebt gewesen. Auch Radiosender könnten der Gesellschaft Gutes tun. Aber nicht mit alten Gags, sondern mit alten Verkehrsmeldungen. Zum Beispiel die vom Sonntag am Montag bringen. Oh je, das klingt nach altem Gag...
Freitag, 7. Oktober 2011
Danke, Steve, gute Ausbeute!
Die große, weltweite Erschütterung, gestern. Nein, nicht weil Sarah Palin nun doch nicht als potenzielle US-Präsidentin gegen Obama antreten will. Mehr Trauer erzeugte dann doch der Tod von Steve Jobs, dem i-Gott.
Für was wir ihm, dem i-nfach-Macher, dem i-nmalig genialen Menschen zu danken haben, steht in aller Breite auf Foren und in der Presse. Klare Sache, i-pod, -pad, -phone machen Spaß, haben unerreichtes Design, sind ein Paradebeispiel für Hyper-Marketing, sind Fortschritt pur und beeinflussen tatsächlich das Leben in unserer modernen Gesellschaft. Danke, Steve!
So sülzen Politiker und Wirtschaftsbosse in aller Welt Trauerworte zum Tode von Steve, dem echten Daniel Düsentrieb. Das digitale Orientierungsmagazin Wired verfällt auf der Homepage in schwarze Trauer, selbst Feind Samsung und Software-Papst Bill Gates melden sich mit respektierenden Huldigungen, wie wuv.de zeigt. Danke, Steve!
Kein „Danke“ kam aber aus China, genauer gesagt, aus den Fabriken, in denen laut Berichten Minderjährige an der Produktion von i-Geräten arbeiten, ohne Einhaltung von Mindestlohn, bei oft über 60 Stunden Wochenarbeitszeit. Natürlich ist es für manche Mitarbeiter, die in einem chinesischen Werk das i-phone herstellen sollen, nicht leicht, „Danke“ zu sagen, sprangen in diesem Jahr wohl schon mindestens zehn Mitarbeiter lieber in den Tod, als unter den offensichtlich dramatischen Bedingungen ein i-phone zu produzieren. Auch sollen mehrere Dutzend Mitarbeiter so stark kontaminiert sein, dass sie das Alter von 56 Jahren wohl kaum erreichen werden.
In China ist man von einem Euro Stundenlohn noch weit entfernt, was für eine fette Beute. Für wen auch immer. Von wegen Ausbeutung? Dafür sind i-pad & Co ja hierzulande auch so billig. Danke, Steve!
Der Visionär Steve Jobs, der selbst einmal Armut erlebt hatte, der selbst einmal den Müll nach Pfandflaschen durchkämmte, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, äußerte sich erst jüngst zu den Arbeitsbedingungen im südchinesischen Shenzhen, als er von den vielen Selbstmorden erfuhr. Er würde die Bedingungen überprüfen, hieß es. Er verwies aber darauf, dass selbst die USA eine höhere Suizidrate hätten. Danke, Steve!
Laut diversen Internetforen habe Apple angekündigt, sich von derartigen Zulieferfirmen zu trennen. Bislang scheint es bei der Absicht geblieben zu sein.
Immerhin haben die Zulieferfirmen, die natürlich auch für andere Computerfirmen arbeiten, selbst gehandelt: Im südchinesischen Shenzhen wurden unter den Fenstern einer Computerfabrik Netze aufgespannt. Sie sollen Herabstürzende auffangen. Ein Netz für die Ausgebeuteten. Quasi ein Social Net. Danke, Steve!
Samstag, 1. Oktober 2011
Bildsprachlosigkeit
Die Bebilderung von journalistischen Ergüssen ist für Blattmacher oft eine große Herausforderung. Gerade in der Werbefachpresse. Wie wollen Sie Themen wie Mediaplanung abbilden? Oder Trading? Oder Realtime Bidding? Oder auch nur Quoten?
Aber auch Tageszeitungen und Zeitschriften haben es nicht immer einfach. Zum Beispiel, wenn es um die visuelle Umsetzung des Themas "Private Vorsorge" geht. Einfach Geld, Gold und Immobilien zeigen? Wie langweilig.
Die Bildunterschriften lasse ich weitgehend unkommentiert - wie gesagt, es geht um "Private Vorsorge".
Beispiel 1: "Jung und schön - das sind alle Teilnehmer beim ukrainischen Friseur-Wettbewerb. Doch was, wenn diese Güter schwinden? Nur frühe Vorsorge hilft."
Beispiel 2: "Kurz oder lang - die Meinung gehen da auseinander. Auch die Resonanz auf staatliche Förderprogramme ist unterschiedlich." Da gehEN Meinungen wirklich auseinander.
Beispiel 3: "Hochhinaus - eine solche Turmfrisur ist ein Hingucker, aber nicht alltagstauglich. Ähnliches gilt für eine vernünftige Immobilienanlage."
Beispiel 4: "Gel und Glitzer: Manche Effekte halten nicht ewig. Auch der Goldanteil im Depot muss immer wieder überprüft werden."
Als Blattmacher lerne ich, dass man ukrainische Frisuren zu allen Themen abbilden kann, also auch zu Mediaplanung, Trading und Quoten.
Als Leser lerne ich daraus, dass die beste Altersvorsorge ukrainische Models sind. Aber Vorsicht: Nur frühe Vorsorge hilft.
Aber auch Tageszeitungen und Zeitschriften haben es nicht immer einfach. Zum Beispiel, wenn es um die visuelle Umsetzung des Themas "Private Vorsorge" geht. Einfach Geld, Gold und Immobilien zeigen? Wie langweilig.
Eine durchaus überraschende Inszenierung boten die lieben Kollegen der Süddeutschen Zeitung. Zu Themen wie "Vollmachten bei Demenz oder im Todesfall", "zusätzliche Altersvorsorge" oder "Absicherung von Pflegeversicherung" zeigten Deutschlands beste Zeitungsmacher etwas, was garantiert noch nie zu diesen redaktionellen Inhalten abgebildet wurde: Ukrainische Topmodels.
Die Bildunterschriften lasse ich weitgehend unkommentiert - wie gesagt, es geht um "Private Vorsorge".
Beispiel 1: "Jung und schön - das sind alle Teilnehmer beim ukrainischen Friseur-Wettbewerb. Doch was, wenn diese Güter schwinden? Nur frühe Vorsorge hilft."
Beispiel 2: "Kurz oder lang - die Meinung gehen da auseinander. Auch die Resonanz auf staatliche Förderprogramme ist unterschiedlich." Da gehEN Meinungen wirklich auseinander.
Beispiel 3: "Hochhinaus - eine solche Turmfrisur ist ein Hingucker, aber nicht alltagstauglich. Ähnliches gilt für eine vernünftige Immobilienanlage."
Beispiel 4: "Gel und Glitzer: Manche Effekte halten nicht ewig. Auch der Goldanteil im Depot muss immer wieder überprüft werden."
Als Blattmacher lerne ich, dass man ukrainische Frisuren zu allen Themen abbilden kann, also auch zu Mediaplanung, Trading und Quoten.
Als Leser lerne ich daraus, dass die beste Altersvorsorge ukrainische Models sind. Aber Vorsicht: Nur frühe Vorsorge hilft.
Montag, 26. September 2011
Unfreiwillige Wortkombination
Mit der Platzierung von Anzeigen können durchaus merkwürdige Konstellationen passieren. Etwa durch das - aus Werbersicht - redaktionelle Umfeld von Anzeigen. Wenn also zum Beispiel neben einer Störungsmeldung eines Atomkraftwerkes ein Energiekonzern mit "Vertrauen" wirbt.
Doch auch bei Kleinanzeigen, etwa von Immobilienmaklern, kann es zur unfreiwilligen Komik kommen. So diese Woche im Winnender Wochenblatt. Da wirbt die Firma Licker Immobilien neben dem Unternehmen Class Hausbau. Das an sich klingt nicht komisch.
Komisch wird es erst, wenn man die Anzeigen sieht, so wie sie platziert sind, also nebeneinander: Man lese ab dem ganz großen A: "ASS" neben "Licker". Ja, das steht da, schwarz auf weiß - oder vielmehr weiß auf schwarz in schwarzem Balken. Honi soit qui male y pense...
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| Werbung für Ass-Licker? |
Komisch wird es erst, wenn man die Anzeigen sieht, so wie sie platziert sind, also nebeneinander: Man lese ab dem ganz großen A: "ASS" neben "Licker". Ja, das steht da, schwarz auf weiß - oder vielmehr weiß auf schwarz in schwarzem Balken. Honi soit qui male y pense...
Samstag, 17. September 2011
Offen für alle Welt
Der Italiener an der Ecke, hat der eigentlich geöffnet, heute? Und der Fensterbauer, wann schließt der denn, damit wir unsere kaputte Scheibe mal reparieren lassen können? Dank Internet ist es ja kein Problem mehr, das zu recherchieren, Click - Click, schon weiß man, wann alle Welt geöffnet hat.
Leider sind aber nicht alle Kleinunternehmer, Gastronomen, Handwerksbetriebe offen für alle Welt. Immer noch haben selbst etablierte Firmen keine Homepage. Und wenn, dann nutzen sie das Internet einfach nicht richtig, um über ihr Tun, ihr Dasein und ihre Öffnungszeiten zu informieren.
Der Italiener, immerhin, hat eine Homepage. Statt Fotos von seine Räumlichkeiten zu zeigen, sind dort nur Fotos von einer uralten Frau in einem uralten italienischen Dorf zu sehen. Und unter Öffnungszeiten heißt es: "Dienstag geschlossen".
Auch der Fensterbauer hat eine simple Homepage. Hier heißt es unter Öffnungszeiten wörtlich: "Keine Öffnungszeiten vorhanden."
Leider sind aber nicht alle Kleinunternehmer, Gastronomen, Handwerksbetriebe offen für alle Welt. Immer noch haben selbst etablierte Firmen keine Homepage. Und wenn, dann nutzen sie das Internet einfach nicht richtig, um über ihr Tun, ihr Dasein und ihre Öffnungszeiten zu informieren.
Der Italiener, immerhin, hat eine Homepage. Statt Fotos von seine Räumlichkeiten zu zeigen, sind dort nur Fotos von einer uralten Frau in einem uralten italienischen Dorf zu sehen. Und unter Öffnungszeiten heißt es: "Dienstag geschlossen".
Auch der Fensterbauer hat eine simple Homepage. Hier heißt es unter Öffnungszeiten wörtlich: "Keine Öffnungszeiten vorhanden."
Sonntag, 11. September 2011
Szenen zum 11. September
Man könnte es als spannend interpretieren, was man sieht, wenn man zum zehnten Jahrestag des 11. September in eine Fernsehzeitschrift schaut. Der Tatort in der ARD, Rosamunde Pilcher im ZDF zur Primetime, ok. Männersache auf RTL mit Mario Barth, soso. Transformers auf ProSieben und die Vulkan-Apokalypse auf RTL II.
Nein, das kann man nicht verurteilen. Das Urteil über all die Formate kann eh nur eine fällen, meine TV Movie: "Anklagendes Finale voller Dramatik" wird der Tatort beurteilt, mit den Worten "gigantisch gutes Trickfeuerwerk" der Film Transformers, "gnadenloser Humor" wird Mario Barth unterstellt.
Natürlich bieten die Sender auch jede Menge Filmmaterial und Interpretationen zum Terroranschlag. Das TV Movie-Urteil zu "9/11 - Die letzten Minuten im World Trade Center" auf RTL ist kurz und knapp ausgefallen. Dafür aber mit der bestmöglichen Bewertung, die TV Movie zu bieten hat. Es heißt hier aber nicht "klasse", "clever" oder "stark" wie bei den Filmen drumherum, sondern, höchstes Lob: "Grauenhafte Szenen".
Nein, das kann man nicht verurteilen. Das Urteil über all die Formate kann eh nur eine fällen, meine TV Movie: "Anklagendes Finale voller Dramatik" wird der Tatort beurteilt, mit den Worten "gigantisch gutes Trickfeuerwerk" der Film Transformers, "gnadenloser Humor" wird Mario Barth unterstellt.
Natürlich bieten die Sender auch jede Menge Filmmaterial und Interpretationen zum Terroranschlag. Das TV Movie-Urteil zu "9/11 - Die letzten Minuten im World Trade Center" auf RTL ist kurz und knapp ausgefallen. Dafür aber mit der bestmöglichen Bewertung, die TV Movie zu bieten hat. Es heißt hier aber nicht "klasse", "clever" oder "stark" wie bei den Filmen drumherum, sondern, höchstes Lob: "Grauenhafte Szenen".
Mittwoch, 7. September 2011
Kinderausverkauf!
Natürlich können sie nerven, stinken, laut sein. Ihr Unterhalt ist durchaus kostspielig, ihr Unterhalt-ungswert dafür umso wertvoller. Kinder sind so verletzlich (fast wie Männer), mit zunehmendem Alter können sie aber auch verletzbar sein. Kinder wachsen immer dann, wenn sie neue Klamotten haben, so dass sie immer zu kleine Kleidung tragen. Kinder haben unaufgeräumte Zimmer, klebrige Hände und spielen Nintendo. Das alles kommt der Wahrheit schon recht nahe.
In der Werbung dagegen sind Kinder blitzblank sauber, angenehm frech, perfekt genormte Kleinstbürger. In Studien von Verlagen und Fernsehsendern werden sie als solvent dargestellt, als markenbewusst, als konsumfreudig. Kurz: Kinder kaufen gern.
Kinder kaufen? Gern! Wer will das nicht gern, Kinder kaufen? Ein Geschäft in der Leipziger Innenstadt wirbt mit dem Schild: "Kinder 30% bis 50%". Soll heißen, Leipziger verkaufen allerlei Kinder zu Rabattpreisen? Nur, weil sie nerven, stinken, laut sein können?
Oder heißt die potenzielle Klientel des Leipziger mutmaßlichen Kinderhändlers Nike, H&M oder Zara? Nein, das kann natürlich nicht sein, sonst würden wir diesen Marken womöglich Kinderarbeit unterstellen. Dabei sollen das doch so liebevolle Arbeitgeber in Indien bzw. Südamerika sein. Wo es nie zu Problemen kommt.
In der Werbung dagegen sind Kinder blitzblank sauber, angenehm frech, perfekt genormte Kleinstbürger. In Studien von Verlagen und Fernsehsendern werden sie als solvent dargestellt, als markenbewusst, als konsumfreudig. Kurz: Kinder kaufen gern.
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| In Leipzig: Kinder zu Schleuderpreisen |
Oder heißt die potenzielle Klientel des Leipziger mutmaßlichen Kinderhändlers Nike, H&M oder Zara? Nein, das kann natürlich nicht sein, sonst würden wir diesen Marken womöglich Kinderarbeit unterstellen. Dabei sollen das doch so liebevolle Arbeitgeber in Indien bzw. Südamerika sein. Wo es nie zu Problemen kommt.
Freitag, 26. August 2011
Loriot: Abschied mit Zeugnis und Spaß!
Natürlich ist es nicht einfach, mit einem Todesfall umzugehen. Erst recht nicht, wenn es um einen Prominenten geht und um Öffentlichkeit. So war es in den vergangenen Tagen auch beim Tod von Vicco von Bülow alias Loriot. Humor und Trauer, wie kriegt man das unter einen Hut?
Die gesamte Tagespresse – bis auf die Wirtschaftstitel – nahm Loriot auf Seite 1 mit und quälte sich mit humoristischen Anspielungen. Angefangen mit der FAZ („Er läuft nicht mehr“ – neben dem Cartoon von Loriots Comic-Helden, „ja wo laufen sie denn?“) über die Frankfurter Rundschau („Früher war mehr Lametta“), die hier doch eher nüchterne SZ („Abschied von Loriot“), bis hin zur großformatigen Ausgabe der Welt („Der letzte Vorhang“). Selbst der Bild-Zeitung ist nicht wirklich viel eingefallen: „Loriot tot!“ Unterzeile: „Danke für das Lachen“.
Aber ausgerechnet einer anderen Boulevardzeitung ist es besonders gut gelungen, Loriot stilvoll auf den Titel zu bringen, leise, würdigend, stilvoll: Berlins BZ. Sie zeigte schlicht die leere Couch vor schwarzem Grund auf der gesamten Seite und schrieb darüber nicht mehr als: „Loriot (1923-2011)“. Respekt.
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| BZ: Ein Leerstück! |
Auf dieselbe Idee, die Couch abzubilden, kamen zwar auch die Springer-Kollegen der Welt-Kompakt, doch texteten sie zu plump: „Sein Platz ist leer“.
Nach der redaktionellen Verarbeitung folgten jetzt die Traueranzeigen. Zum Beispiel die der öffentlich-rechtlichen Sender. Charakterisierungen in Todes-Annoncen wirken ja immer ein wenig wie Zensuren. Folgende Beurteilung gaben die ARD-Anstalten in ihrem letzten Zeugnis über Loriot ab: „Einzigartig und unvergleichlich. Komiker, Schauspieler, Karikaturist, Regisseur, Autor, Humorist – oder einfach ein Mensch, der uns zum Lachen brachte.“ Klingt nicht nur gegen Ende ein bisschen so, als ginge es um die vorgezogene finale Beschreibung von Helmut Kohl.
Geschmacklos? Als geschmacklos wird die Anzeige diskutiert, die der Art Directors Club (ADC) in der FAZ ganzseitig schaltete: „Lieber Gott, viel Spaß“. Loriot, einstiger Werbegrafiker und Ehrenmitglied des ADC, hätte an dieser Anzeige sicher seinen Spaß gehabt. Auch wenn er anlässlich seines 85. Geburtstags auf die Frage hin, was auf seinem Grabstein stehen sollte, nach langem Überlegen geantwortet hatte: „Ich denke, der Name wäre günstig!“
Freitag, 19. August 2011
Sascha Lobo und der Buchstabentrick
Die Idee ist so einfach wie genial: Man nehme einen Markennamen, den man neu positionieren will, lasse den ersten und letzten Buchstaben weg und erfreue sich daran, dass man quasi den Marken(namen)kern unangetastet weiterleben lassen könne. So hat der Kreative Sascha Lobo, als er vor langer, langer Zeit noch bei Werbeagenturen arbeitete, für den Kunden VW die Idee gehabt, das Volksrennwägelchen Scirocco in dieser Weise zu bearbeiten. Lobo ging hier sogar noch einen Schritt - ähm, Buchstaben - weiter und ließ vorne wie hinten gleich je zwei fette Buchstaben weg.
Übrig blieb also iroc. Daraus sollte eine Kampagne gestrickt werden mit dem Tenor: I rock... Entsprechend sollte das Model auf den englisch ausgesprochenen Namen hören. Der damalige Vorstand des Automobilriesen soll begeistert gewesen sein, doch musste der VW-Chef damals seinen Hut nehmen, aus anderen Gründen freilich.
Das ist nun schon Jahre her. Kaum einer mag sich an dieses Episödchen erinnern. Wirklich nicht? Dann mag es Zufall sein, dass VW sein jüngstes Mini-Fahrzeug schlicht Up nennt, die verkürzte Form des größeren Bruders L-up-o... Kein Grund zum Ärgern für Asch Ob!
Übrig blieb also iroc. Daraus sollte eine Kampagne gestrickt werden mit dem Tenor: I rock... Entsprechend sollte das Model auf den englisch ausgesprochenen Namen hören. Der damalige Vorstand des Automobilriesen soll begeistert gewesen sein, doch musste der VW-Chef damals seinen Hut nehmen, aus anderen Gründen freilich.
Das ist nun schon Jahre her. Kaum einer mag sich an dieses Episödchen erinnern. Wirklich nicht? Dann mag es Zufall sein, dass VW sein jüngstes Mini-Fahrzeug schlicht Up nennt, die verkürzte Form des größeren Bruders L-up-o... Kein Grund zum Ärgern für Asch Ob!
Freitag, 12. August 2011
Mehr Damen per Click
Übersetzungen von Sites im Internet können sehr hilfreich sein. So lässt sich zum Beispiel die Homepage der spanischen Schuhmarke Castañer auch auf Deutsch lesen. Und so lässt es sich entsprechend auch auf Deutsch shoppen.
Wer die erste Reihe Schuhe durch hat, der hat die Wahl: "Mehr braune Schuhe" steht auf dem ersten von drei Buttons. Die weiteren Buttons könnten vereinzelt zu Irritationen führen:
"Mehr braune Damen" kann man etwa per Click mit dem zweiten Button ordern. Und "mehr Damen von Castañer" verheißt Clickoption Nummer 3. Aha. Vielleicht handelt es sich ja gar nicht um einen Übersetzungsfehler, sondern um eine schäbige, kriminelle Frauenhandelsorganisation. Oder es ist eine dieser Fallen vom BND oder der Internetpolizei...
Wie komm ich da bloß raus aus der Nummer? "Nein, Herr Beamter, ich hatte nie vor, mit Damen Handel zu betreiben... Ich wollte nur Schuhe bestellen!" Die Antwort der Behörden könnte lauten: "Die Seite war doch wohl klar genug formuliert. Schuhe kaufen, was für eine armselige Ausrede. Dabei war die Site doch extra ins Deutsche übersetzt worden!"
Wer die erste Reihe Schuhe durch hat, der hat die Wahl: "Mehr braune Schuhe" steht auf dem ersten von drei Buttons. Die weiteren Buttons könnten vereinzelt zu Irritationen führen:
"Mehr braune Damen" kann man etwa per Click mit dem zweiten Button ordern. Und "mehr Damen von Castañer" verheißt Clickoption Nummer 3. Aha. Vielleicht handelt es sich ja gar nicht um einen Übersetzungsfehler, sondern um eine schäbige, kriminelle Frauenhandelsorganisation. Oder es ist eine dieser Fallen vom BND oder der Internetpolizei...
Wie komm ich da bloß raus aus der Nummer? "Nein, Herr Beamter, ich hatte nie vor, mit Damen Handel zu betreiben... Ich wollte nur Schuhe bestellen!" Die Antwort der Behörden könnte lauten: "Die Seite war doch wohl klar genug formuliert. Schuhe kaufen, was für eine armselige Ausrede. Dabei war die Site doch extra ins Deutsche übersetzt worden!"
Dienstag, 9. August 2011
Geiles Aachen
Ja, es ist bekannt, dass die Elektromärkte von Saturn Probleme haben. Nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit ihren Kunden, vor allem dann, wenn diese Online-affin sind. Denn online Elektrowaren bestellen, zum Beispiel Computer, das ging bislang nicht.
Wer es dennoch wagte, die Online-Seiten der Saturn-Kette zu besuchen, der konnte sich über individuell zugeschnittene Sonderangebote erfreuen. Individuell, nein, da ging es nicht um die Interessen des Kunden, nicht um eine Selektion nach Mann und Frau, individuell war lediglich der Ort des Händlers, der um einen werben durfte. So viel Technik bei einem Technikriesen.
Da ich mich aufgrund meiner vielen Wohnorte, Winnenden und München, nicht für einen ganz bestimmten Händler entscheiden wollte, klickte ich bei Saturn.de sofort auf "Los". Ja, dann ging es los - und es lässt mich auch nicht mehr los: Ich erhalte sämtliche Angebote und Informationen vom Saturnmarkt aus Aachen. Dem an oberster Stelle genannten Saturn-Markt. Nicht, dass mir Aachen völlig egal wäre... Doch, zugegeben, es ist mir völlig egal. Zumindest die Angebote des Saturnmarktes von Aachen. Also schrieb ich der Kundenbetreuung.
Die Antwort kam. Mein Problem war dort bekannt. "Wir wollen unseren Kunden damit den schnellen und direkten Zugriff auf ihren Lieblingsmarkt sichern. Leider hat dies auch die Auswirkung, dass unsere anderen Standorte nicht mehr ausgewählt werden können." Das steht da. Wörtlich. Als Antwort.
Ausführlich erläutert Saturn in der gut 30-zeiligen Mail, wie sich diese widerspenstigen Cookies je nach Browser löschen lassen. Bei der sechsten Zeile dieser liebevollen Regieanweisungen gab ich auf. Ich wollte aber nicht weiter mit Sonderangeboten von Lockenstäben aus Aachen bedroht werden und beschloss, einen neuen Computer zu kaufen. Ich würde ja gerne online bestellen - aber nicht bei Saturn in Aachen. Aachen bleibt Aachen und geil ist alles andere als geil.
Wer es dennoch wagte, die Online-Seiten der Saturn-Kette zu besuchen, der konnte sich über individuell zugeschnittene Sonderangebote erfreuen. Individuell, nein, da ging es nicht um die Interessen des Kunden, nicht um eine Selektion nach Mann und Frau, individuell war lediglich der Ort des Händlers, der um einen werben durfte. So viel Technik bei einem Technikriesen.
Da ich mich aufgrund meiner vielen Wohnorte, Winnenden und München, nicht für einen ganz bestimmten Händler entscheiden wollte, klickte ich bei Saturn.de sofort auf "Los". Ja, dann ging es los - und es lässt mich auch nicht mehr los: Ich erhalte sämtliche Angebote und Informationen vom Saturnmarkt aus Aachen. Dem an oberster Stelle genannten Saturn-Markt. Nicht, dass mir Aachen völlig egal wäre... Doch, zugegeben, es ist mir völlig egal. Zumindest die Angebote des Saturnmarktes von Aachen. Also schrieb ich der Kundenbetreuung.
Die Antwort kam. Mein Problem war dort bekannt. "Wir wollen unseren Kunden damit den schnellen und direkten Zugriff auf ihren Lieblingsmarkt sichern. Leider hat dies auch die Auswirkung, dass unsere anderen Standorte nicht mehr ausgewählt werden können." Das steht da. Wörtlich. Als Antwort.
Ausführlich erläutert Saturn in der gut 30-zeiligen Mail, wie sich diese widerspenstigen Cookies je nach Browser löschen lassen. Bei der sechsten Zeile dieser liebevollen Regieanweisungen gab ich auf. Ich wollte aber nicht weiter mit Sonderangeboten von Lockenstäben aus Aachen bedroht werden und beschloss, einen neuen Computer zu kaufen. Ich würde ja gerne online bestellen - aber nicht bei Saturn in Aachen. Aachen bleibt Aachen und geil ist alles andere als geil.
Mittwoch, 3. August 2011
Wahl in Berlin: Ausweitung der Retusche-Affäre
Ob ihre Fältchen um die Augen herum sichtbar sind oder nicht, das Strahlen einer Julia Roberts bezaubert freilich auch ohne die kreative Leistung einer Werbeagentur. So gesehen mag die Retusche-Affäre, ausgelöst durch die Werbeverbote der britischen Werbeaufsicht, völlig sinnlos erscheinen.
Noch sinnloser erscheint das Postulat der britischen Werbeaufseher, Gesichter ehrlicher abzubilden. Darf man uns Verbrauchern und Kunden das antun und uns in der bisher so makellosen heilen Werbewelt Menschen vor Augen führen, wie wir sie aus Krankenhäusern und aus Mallorca kennen? Wollen wir wirklich sehen, wie wir selbst aussehen? Warum, bitte schön, sollen wir so leiden müssen?
Ganz radikal dem Schönheitswahn verfallen zu sein scheint ausgerechnet die grüne Spitzenkandidatin der bevorstehenden Berliner Wahl, Renate Künast. Wie sie im Alltagsgebrauch aussieht, zeigt zum Beispiel die Wirtschaftswoche per Click. Wie sie nach der Berliner Retusche-Affäre aussieht, zeigt sie selbst auf Plakat.
Das Face-Tuning, das jede Gesichtserkennungssoftware überlisten würde, soll nicht nur Wählern den Kopf verdrehen - auch den Pfeil ihres eigenen Slogans hat es verdreht. So mag es ihr Arbeitstitel gewesen sein, der auf ihren Kopf zeigte: "Da müssen wir ran!" Dieser Schritt hat ja mit der Bildbearbeitung wunderbar geklappt.
Nun zeigt der Pfeil von Renate Künast unverblümt auf ihre Brüste. Ehrlich gesagt, kommt er jetzt schon etwas frauenverachtend rüber, ihr Slogan: "Da müssen wir ran!" Ist es wirklich das, was die Berliner wollen? Tja, wer die Wahl hat...
Noch sinnloser erscheint das Postulat der britischen Werbeaufseher, Gesichter ehrlicher abzubilden. Darf man uns Verbrauchern und Kunden das antun und uns in der bisher so makellosen heilen Werbewelt Menschen vor Augen führen, wie wir sie aus Krankenhäusern und aus Mallorca kennen? Wollen wir wirklich sehen, wie wir selbst aussehen? Warum, bitte schön, sollen wir so leiden müssen?
Ganz radikal dem Schönheitswahn verfallen zu sein scheint ausgerechnet die grüne Spitzenkandidatin der bevorstehenden Berliner Wahl, Renate Künast. Wie sie im Alltagsgebrauch aussieht, zeigt zum Beispiel die Wirtschaftswoche per Click. Wie sie nach der Berliner Retusche-Affäre aussieht, zeigt sie selbst auf Plakat.
Das Face-Tuning, das jede Gesichtserkennungssoftware überlisten würde, soll nicht nur Wählern den Kopf verdrehen - auch den Pfeil ihres eigenen Slogans hat es verdreht. So mag es ihr Arbeitstitel gewesen sein, der auf ihren Kopf zeigte: "Da müssen wir ran!" Dieser Schritt hat ja mit der Bildbearbeitung wunderbar geklappt.
Nun zeigt der Pfeil von Renate Künast unverblümt auf ihre Brüste. Ehrlich gesagt, kommt er jetzt schon etwas frauenverachtend rüber, ihr Slogan: "Da müssen wir ran!" Ist es wirklich das, was die Berliner wollen? Tja, wer die Wahl hat...
Mittwoch, 27. Juli 2011
Wenn Medien Erfüllungsgehilfen von Mördern werden
Nein, es hat sich nichts geändert. Nichts nach Erfurt, nichts nach Winnenden nichts nach anderen Verbrechen. Unaufhörlich schenken selbst seriöse Zeitungen dem Massenmörder von Oslo gigantische Aufmerksamkeit, wie in W&V berichtet. Und sie verteidigen in Kommentaren ihr Tun.
Eine Heroisierung des Täters diesen gewaltigen Ausmaßes hat es in Deutschland bisher kaum gegeben. Stets wird der Name des Massenmörders von Norwegen genannt, stets wird sein Konterfei hemmungslos gezeigt, groß, breit, fett, prominent, oft auf Titelseiten. Auch Fotos mit Waffen. "So wollte er gesehen werden", schrieb eine überregionale Zeitung aus Berlin. "Und wir geben ihm das Forum dafür", hätte der Text weiter lauten müssen.
Denn viele Medien verkennen ihre Verantwortung. Ihnen ist nicht bewusst, wie sie mit ihrer Berichterstattung die Opfer und ihre Angehörigen ohrfeigen. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie das nächste große Verbrechen vorbereiten, weil potentielle Nachahmer auch gerne der Held auf Titelseiten sein wollen. Weil sie auch wollen, dass Intellektuelle sich ernsthaft mit ihren sogenannten Manifesten auseinandersetzen. Medien mutieren so zu primitiven Erfüllungsgehilfen von Massenmördern. Wenn es um PR geht, sind Medien zurecht sehr vorsichtig, sehr qualitätsbewusst. Wenn ein Mörder der Welt was sagen will, wird alles huldigend publiziert.
Dass sich die Medienmacher ihrer Macht nicht bewusst sind, ist geradezu symptomatisch für ihr Tun. Gerade Zeitungsjournalisten verhalten sich oft so, als hätten sie keine Leser mehr. Und denken, dass Mörderbilder und -worte eh via Internet verbreitet würden. Wow. Was für eine Haltung. Das ist in etwa so, als würden TV-Sender jetzt Hinrichtungen live im Fernsehen zeigen, weil die Bilder doch eh ins Internet gelangen. Und weil Hinrichtungen die Quoten erhöhen.
Dieses natürlich völlig überzogene Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Journalisten selektiv vorgehen müssen. Das aber können sie nur, wenn sie eine gute Ausbildung genossen haben. Darin liegt ein Teil des Problems der hemmungslosen, unreflektierten Berichterstattung: Statt Ausbildung bieten Redaktionen meist Ausbeutung. Junge Journalisten werden für den Einsatz gar nicht vorbereitet. Würden Feuerwehrmänner und -frauen für den Katastrophenfall so geschult wie Journalisten, würde jedes Haus abbrennen.
Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer. Die FAS, also Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, hat am Sonntag unmittelbar nach dem Massenmord keinen Täter abgebildet oder zum Helden gemacht. Eine ganz bewusste Entscheidung, wie mir mitgeteilt wurde. Und selbst der skurrile Briefeschreiber Franz Josef Wagner schrieb in Bild: "Ich glaube, die höchste Strafe für den Attentäter wäre die Bedeutungslosigkeit. Nicht mehr über ihn berichten, seine Fotos nicht mehr zeigen, seine wirren Ideen nicht mehr im Internet zu lesen..."
Ob es nun Strafe für den Attentäter wäre, ist nicht der Punkt. Vielmehr geht es um die nächsten Attentate. Um die Abschaffung medialer Anreize, Massenmorde zu inszenieren. Beihilfe zum Mord ist strafbar. Nicht jedoch für Journalisten.
Eine Heroisierung des Täters diesen gewaltigen Ausmaßes hat es in Deutschland bisher kaum gegeben. Stets wird der Name des Massenmörders von Norwegen genannt, stets wird sein Konterfei hemmungslos gezeigt, groß, breit, fett, prominent, oft auf Titelseiten. Auch Fotos mit Waffen. "So wollte er gesehen werden", schrieb eine überregionale Zeitung aus Berlin. "Und wir geben ihm das Forum dafür", hätte der Text weiter lauten müssen.
Denn viele Medien verkennen ihre Verantwortung. Ihnen ist nicht bewusst, wie sie mit ihrer Berichterstattung die Opfer und ihre Angehörigen ohrfeigen. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie das nächste große Verbrechen vorbereiten, weil potentielle Nachahmer auch gerne der Held auf Titelseiten sein wollen. Weil sie auch wollen, dass Intellektuelle sich ernsthaft mit ihren sogenannten Manifesten auseinandersetzen. Medien mutieren so zu primitiven Erfüllungsgehilfen von Massenmördern. Wenn es um PR geht, sind Medien zurecht sehr vorsichtig, sehr qualitätsbewusst. Wenn ein Mörder der Welt was sagen will, wird alles huldigend publiziert.
Dass sich die Medienmacher ihrer Macht nicht bewusst sind, ist geradezu symptomatisch für ihr Tun. Gerade Zeitungsjournalisten verhalten sich oft so, als hätten sie keine Leser mehr. Und denken, dass Mörderbilder und -worte eh via Internet verbreitet würden. Wow. Was für eine Haltung. Das ist in etwa so, als würden TV-Sender jetzt Hinrichtungen live im Fernsehen zeigen, weil die Bilder doch eh ins Internet gelangen. Und weil Hinrichtungen die Quoten erhöhen.
Dieses natürlich völlig überzogene Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Journalisten selektiv vorgehen müssen. Das aber können sie nur, wenn sie eine gute Ausbildung genossen haben. Darin liegt ein Teil des Problems der hemmungslosen, unreflektierten Berichterstattung: Statt Ausbildung bieten Redaktionen meist Ausbeutung. Junge Journalisten werden für den Einsatz gar nicht vorbereitet. Würden Feuerwehrmänner und -frauen für den Katastrophenfall so geschult wie Journalisten, würde jedes Haus abbrennen.
Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer. Die FAS, also Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, hat am Sonntag unmittelbar nach dem Massenmord keinen Täter abgebildet oder zum Helden gemacht. Eine ganz bewusste Entscheidung, wie mir mitgeteilt wurde. Und selbst der skurrile Briefeschreiber Franz Josef Wagner schrieb in Bild: "Ich glaube, die höchste Strafe für den Attentäter wäre die Bedeutungslosigkeit. Nicht mehr über ihn berichten, seine Fotos nicht mehr zeigen, seine wirren Ideen nicht mehr im Internet zu lesen..."
Ob es nun Strafe für den Attentäter wäre, ist nicht der Punkt. Vielmehr geht es um die nächsten Attentate. Um die Abschaffung medialer Anreize, Massenmorde zu inszenieren. Beihilfe zum Mord ist strafbar. Nicht jedoch für Journalisten.
Donnerstag, 21. Juli 2011
Der Motivations-Loser
ProSiebenSat.1 lud zur "Summertime" in die Alte Kongresshalle nach München. 400 Gäste, Werbekunden und Mediaplaner, dazwischen ein paar Top Models gestreut, Moderatoren und sonstige Sternchen. Präsentiert wurde das Programm der kommenden Monate. The Voice etwa oder anderes völlig neues Casting. Oder Filme wie "die Rache der Wanderhure". Oder auch die "Heimkehr" von Harald Schmidt, der "stolz darauf ist, keine mediale Wanderhure zu sein".
Ein Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 erlebte eine sonderbare Begegnung. Vor der Halle, beim Rauchen. "Hi!" "Ach du...?" Schnell stellte sich heraus, dass die beiden sich kennen. Von der Schule. 14 Jahre lang haben sie sich nicht mehr gesehen. Seit der Schulzeit in Neuss bei Düsseldorf. Der ProSieben-Mann hat seinen einstigen Mitschüler nicht so schnell erkannt. Klar, er war damals richtig fett. Heute nicht mehr. "Und was machst du hier?", wollte ProSieben wissen.
Der Ur-Schulfreund hatte keine Zeit mehr, er musste gleich auf die Bühne. Carl Werner hat nämlich gewonnen. Weil er verloren hat: 59 Kilo. Platz 1 bei der Sendung "The biggest Loser". Gratulation! Er hat es geschafft. Seither arbeitet er als Motivationstrainer.
Ein Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 erlebte eine sonderbare Begegnung. Vor der Halle, beim Rauchen. "Hi!" "Ach du...?" Schnell stellte sich heraus, dass die beiden sich kennen. Von der Schule. 14 Jahre lang haben sie sich nicht mehr gesehen. Seit der Schulzeit in Neuss bei Düsseldorf. Der ProSieben-Mann hat seinen einstigen Mitschüler nicht so schnell erkannt. Klar, er war damals richtig fett. Heute nicht mehr. "Und was machst du hier?", wollte ProSieben wissen.
Der Ur-Schulfreund hatte keine Zeit mehr, er musste gleich auf die Bühne. Carl Werner hat nämlich gewonnen. Weil er verloren hat: 59 Kilo. Platz 1 bei der Sendung "The biggest Loser". Gratulation! Er hat es geschafft. Seither arbeitet er als Motivationstrainer.
Dienstag, 19. Juli 2011
BMW weiß, was Frauen wünschen
In Frauenzeitschriften, klar, wird auch für Autos geworben. Für kleine Autos halt. Zweitwagen. Einkaufswagen. Kinderwagen. Aber doch nicht für richtige Autos. Autos sind Männersache. Frauen können doch nicht einmal Marken unterscheiden. Oder gar Modelle?
So in etwa mag die Werbewirtschaft denken. Und sicherlich kann sie ihre Vorurteile mit Wissenschaft begründen. Forschung, für deren Ergebnisse sie zahlt. Auftragswissenschaft.
BMW jedenfalls wagt sich mit einer Doppelseite für einen fetten BMW in die aktuelle Ausgabe der ELLE. Ist das der Durchbruch der Werbe- oder Autozunft? Für welches Modell wirbt denn BMW in der Anzeige? Ähem, das kann Mann kaum erkennen. Ist das ein 3-er? Oder doch ein 5-er? Das ist auf dem Werbemotiv nicht klar zu sehen. Ist aber frau auch egal. Um was geht es denn da, in der BMW-Anzeige?
"Wir denken auch beim Rückwärtsfahren voraus", heißt die Headline. Ja, richtig interpretiert, es geht um das Einparken. Weil Zielgruppe Frau. Echt wahr, BMW will Frauen ernsthaft damit überzeugen, einen BMW zu kaufen, weil man damit besser einparken kann. Motorisierung ist völlig egal, auch Spritverbrauch, Sicherheit oder Anzahl von Sitzen oder Schminkspiegeln. BMW geht es um "mehr sehen", "besonders in unübersichtlichen Situationen". Abgebildet ist ein einparkendes Fahrzeug - in einer klar übersichtlichen Situation.
BMW weiß eben, was Frauen wünschen: eine Waschmaschine.
So in etwa mag die Werbewirtschaft denken. Und sicherlich kann sie ihre Vorurteile mit Wissenschaft begründen. Forschung, für deren Ergebnisse sie zahlt. Auftragswissenschaft.
BMW jedenfalls wagt sich mit einer Doppelseite für einen fetten BMW in die aktuelle Ausgabe der ELLE. Ist das der Durchbruch der Werbe- oder Autozunft? Für welches Modell wirbt denn BMW in der Anzeige? Ähem, das kann Mann kaum erkennen. Ist das ein 3-er? Oder doch ein 5-er? Das ist auf dem Werbemotiv nicht klar zu sehen. Ist aber frau auch egal. Um was geht es denn da, in der BMW-Anzeige?
"Wir denken auch beim Rückwärtsfahren voraus", heißt die Headline. Ja, richtig interpretiert, es geht um das Einparken. Weil Zielgruppe Frau. Echt wahr, BMW will Frauen ernsthaft damit überzeugen, einen BMW zu kaufen, weil man damit besser einparken kann. Motorisierung ist völlig egal, auch Spritverbrauch, Sicherheit oder Anzahl von Sitzen oder Schminkspiegeln. BMW geht es um "mehr sehen", "besonders in unübersichtlichen Situationen". Abgebildet ist ein einparkendes Fahrzeug - in einer klar übersichtlichen Situation.
BMW weiß eben, was Frauen wünschen: eine Waschmaschine.
Samstag, 16. Juli 2011
Mail-Check - Haare weg
Wird man von seinem freundlichen Kollegen oder Nachbarn vollgequatscht, weiß man: Der- oder Diejenige war zu lange nicht mehr beim Friseur. Während sich der Amerikaner auf der Couch bei seinem Psychiater die Seele leert, zieht der Deutsche meist seinen Friseur vor.
Mutmaßlich kann das dem Haardesigner bei seinem künstlerischen Schaffen ziemlich auf den Fön gehen. Und da Friseure mit Schere und Rasiermesser durchaus bewaffnet sind, möchte man sich nicht ausmalen, wie das Werk eines überreizten Haarmetzlers enden könnte.
So kam der Friseur Brändle aus dem braven Winnenden auf die Idee, seinen Kunden einfach ein iPad in die Hand zu drücken. In einer Werbeanzeige heißt es: "Wir stylen Ihre Frisur. Sie checken Ihre Mails. Kaufen ein oder schauen einen Film." Zu deutsch: "Sie halten die Klappe!"
Einzige Nebenwirkung: Man wird weiterhin von freundlichen Kollegen und Nachbarn vollgequatscht - auch wenn sie beim Friseur waren.
Mutmaßlich kann das dem Haardesigner bei seinem künstlerischen Schaffen ziemlich auf den Fön gehen. Und da Friseure mit Schere und Rasiermesser durchaus bewaffnet sind, möchte man sich nicht ausmalen, wie das Werk eines überreizten Haarmetzlers enden könnte.
So kam der Friseur Brändle aus dem braven Winnenden auf die Idee, seinen Kunden einfach ein iPad in die Hand zu drücken. In einer Werbeanzeige heißt es: "Wir stylen Ihre Frisur. Sie checken Ihre Mails. Kaufen ein oder schauen einen Film." Zu deutsch: "Sie halten die Klappe!"
Einzige Nebenwirkung: Man wird weiterhin von freundlichen Kollegen und Nachbarn vollgequatscht - auch wenn sie beim Friseur waren.
Mittwoch, 13. Juli 2011
Hochgeistige Menschenverachtung
Schade: Ausgerechnet die Wochenzeitung „Zeit“, bislang hochgeistige Delikatesse für Intellektuelle, versucht sich in Dossiers, die unterhalb der Kante eines Stammtisches liegen, etwa durch Täter-Heroisierung (damals beim Amoklauf Winnenden), Frauenfeindlichkeit (Kachelmann-Prozess) und Diffamierung mit rassistisch anmutenden Nebenwirkungen (Fall Strauss-Kahn).
Man muss es selbst lesen, weil man es kaum glauben kann, was die journalistisch so wichtige „Zeit“ schreibt. Mit folgenden Worten wird beschrieben, wie das mutmaßlich vergewaltigte Opfer wohnt: „Die Namen an den Klingelschildern (…) lauten Noel, Gangadeen, Gomez, Borgeson. So klingen Namen von Zugezogenen und Eingewanderten. Von Taxifahrern, Verkäuferinnen, Reinigungskräften. Aber auch Namen von Drogendealern, Geldwäschern, Betrügern. Es ist der Klang der Bronx (…). Wo Legal und Illegal Wand an Wand leben.“
Damit sagt die aktuelle Ausgabe der „Zeit“, dass Zugezogene ganz unten sind. Ganz unten wie auch Taxifahrer und Reinigungskräfte. Wie Dealer und Betrüger. Und damit belegt die „Zeit“, dass das Opfer lügt. Und dass es letztlich an seiner Misshandlung selbst schuld sei. Das Opfer ist schwarz, eine Zugezogene, die ganz klar aus dem Umfeld von Betrügern komme, eine, Vorsicht Zitat, „afrikanische Asylantin, die einen Weg aus ihrer Armut sucht“. Solche Sätze würde sich noch nicht einmal ein rassistischer Kleingeist erlauben.
Das vermutliche Opfer habe also alles nur inszeniert, behauptet die angesehene Hamburger Wochenzeitung einfach mal so. Und habe alles von vorneherein geplant. Von „offenbar krimineller Energie“ spricht „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe, um sich wenige Zeilen später gegen „schändliche Vorverurteilungen“ auszusprechen, also gegen seine eigene Glaubwürdigkeit. In einem Fall, in dem es um Lügen geht. Darum, dass bei einer jungen Frau gesammelte Märchen aus ihrer Vergangenheit zusammengetragen wurden, die nichts mit der mutmaßlichen Vergewaltigung zu tun haben – alte Lügen aus alten Kontexten, wie sie bei jedem Menschen problemlos gefunden werden können. Und darum, dass die nachweisbaren Lügen eines möglichen Täters, die unmittelbar mit dem Fall zu tun haben, plötzlich keine Bedeutung mehr haben.
Weil die betroffene Frau eben aus einem schwarzen Lügen-Milieu stammt, das die „Zeit“ so beschreibt: „Wer vor (ihrem) Haus in der Bronx steht, sieht eine dicke schwarze Frau, die sich hoch oben schimpfend aus dem Fenster lehnt.“ Selbst ein SUV, der dort mitten auf der Straße stehe, mit laufendem Motor, sei schwarz. Und die Wohnungstüren seien schwarz gestrichen.
Ganz gleich, wer wirklich lügt, ob Strauss-Kahn oder sein Opfer. Ein Opfer gehört geschützt. Den vollen Namen nennt man nicht. Die Adresse nennt man nicht. Und man berichtet neutral über etwaige Lügen beider Seiten. Nicht nur über eine Seite. Schon gar nicht ausschließlich über die mutmaßlichen Lügen eines Opfers.
Die „Zeit“ macht den mutmaßlichen Täter Dominique Strauss-Kahn zum Opfer. Der Arme musste schon als Elfjähriger ein Erdbeben in Agadir überleben. Ein Mann „mit der Ausstrahlung eines Menschen, der an das Leben glaubt“, der in Paris mit Intelligenz und Witz bezauberte. „Gutes Essen, beste Weine“ wird im selben Kontext genannt – und im selben Satz – wie „Frauen, immer wieder die Frauen“. Klingt wie ein legitimer Nachtisch, den er sich, der Genießer, einfach nehmen darf. Darf er auch, wenn es sich nicht um eine Vergewaltigung handelt.
Dass ein weiteres mutmaßliches Strauss-Kahn-Opfer den Mut findet, jetzt, in dieser Aussichtslosigkeit, auch Anzeige wegen einer versuchten Vergewaltigung gegen Strauss-Kahn zu erstatten, tut die „Zeit“ ab mit den Worten: „Stoff für Spekulationen: (…) Arbeitet Banon (die Klägerin) nicht seit Kurzem für eine Website von Sarkozy-Unterstützern?“
Eine Anmerkung sei erlaubt: Man stelle sich ein Haus vor, irgendwo in Deutschland. Die Namen an den Klingelschildern lauten di Lorenzo, Mascolo und Kalka. So klingen Namen von Zugezogenen und Eingewanderten. Von Taxifahrern, Verkäuferinnen, Reinigungskräften. Aber auch Namen von Drogendealern, Geldwäschern, Betrügern. Es ist der Klang der Bronx. Wo Legal und Illegal Wand an Wand leben. Sind das zweitklassige Menschen? Kann man diesen Menschen vertrauen, kann man ihnen glauben?
„Zeit“-Herausgeber Joffe jedenfalls hat ein Glaubensproblem: Er parallelisiert Literatur wie Effie Briest und Madame Bovary mit dem „sündigen Sex“. Ohne zu merken, dass er dabei das „Fremdgehen“ thematisiert – was doch ein ganz anderes Thema ist als der Vorwurf einer brutalen Vergewaltigung.
Definition von Vergewaltigung:
Vergewaltigung ist nach "Duden Recht" die Nötigung zum Beischlaf oder zu ähnlichen sexuellen Handlungen, die das Opfer besonders erniedrigen, wobei diese mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert ist, erfolgen kann[1]. Eine Vergewaltigung bedeutet eine massive Verletzung der Autonomie, des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung und der psychischen Integrität des Opfers und hat entsprechend gravierende psychische Folgen. Die juristische Bewertung ist je nach Land unterschiedlich. In Deutschland wird eine Mitschuld der betroffenen Person juristisch verneint.Quelle: Wikipedia
Freitag, 1. Juli 2011
Zukunftslose Vergangenheit eines Trendforschers
Er ist eine Koryphäe in der deutschen Trendforschung. Jeder Werber, jeder Markenmacher, jeder Medienmensch kennt ihn, schätzt ihn, verehrt ihn: Peter Wippermann gilt als das Urgestein unter Trendforschern, der vor zwei Jahrzehnten gemeinsam mit Matthias Horx das Trendbüro in Hamburg gegründet hatte.
Wie aber wird man Trendforscher? Man wird Bäcker, Maurer, Rennfahrer. Von mir aus auch Top-Model, Politiker oder Clown. Aber Trendforscher? Der Papa von Peter bei den Wippermanns jedenfalls wollte damals, dass der Sohn was Gescheites lernt. Was Handfestes. Was mit Zukunft. Und so ging der kleine Peter W. in die Lehre. Er zog sie durch. Bis zum Ende. Dann durfte er sich Schriftsetzer nennen.
Einziges Problem: Bald schon nach seiner Ausbildung war es vorbei mit der Zukunft. Den Beruf des Schriftsetzers gab es plötzlich nicht mehr.
So kam es, dass Peter Wippermann seinen Blick in die Zukunft schärfte. Um schnell den Trend zu erkennen, dass man damit Geld verdienen kann. Die Urkunde seiner Ausbildung hat er noch. Sein persönliches Dokument einer Vergangenheit ohne Zukunft, die ihm eine Zukunft mit Vergangenheit beschert hat. Und doch ist am Ende der Wunsch des Vaters in Erfüllung gegangen: Peter Wippermann macht was mit Zukunft!
Wie aber wird man Trendforscher? Man wird Bäcker, Maurer, Rennfahrer. Von mir aus auch Top-Model, Politiker oder Clown. Aber Trendforscher? Der Papa von Peter bei den Wippermanns jedenfalls wollte damals, dass der Sohn was Gescheites lernt. Was Handfestes. Was mit Zukunft. Und so ging der kleine Peter W. in die Lehre. Er zog sie durch. Bis zum Ende. Dann durfte er sich Schriftsetzer nennen.
Einziges Problem: Bald schon nach seiner Ausbildung war es vorbei mit der Zukunft. Den Beruf des Schriftsetzers gab es plötzlich nicht mehr.
So kam es, dass Peter Wippermann seinen Blick in die Zukunft schärfte. Um schnell den Trend zu erkennen, dass man damit Geld verdienen kann. Die Urkunde seiner Ausbildung hat er noch. Sein persönliches Dokument einer Vergangenheit ohne Zukunft, die ihm eine Zukunft mit Vergangenheit beschert hat. Und doch ist am Ende der Wunsch des Vaters in Erfüllung gegangen: Peter Wippermann macht was mit Zukunft!
Dienstag, 28. Juni 2011
Lange Nacht der Umnachteten
Mit den Museen hat alles angefangen. Weil Mensch nicht ganz bei Tag ist, wenn er ins Museum geht, öffneten Museen nachts ihre Pforten. Nachts im Museum war so cool, so beliebt, weil, nun ja, weil es halt nachts war. Und nicht tags.
Es folgten die Lange Nacht des Einkaufens, die Lange Nacht der Musik, die Lange Nacht der Industrie. Selbst die Lange Nacht der Tracht ließ nicht auf sich warten, die Lange Nacht des Sports, die des Jazz und sogar die Lange Nacht des Wissens bemühte sich ob ihrer Daseinsberechtigung. Doch das musste man schon wissen. Wissen, das man sich auf der Langen Nacht der Wissenschaft schaffen konnte.
Während ich persönlich jede Nacht, in der ich arbeite, zur Langen Nacht des Idioten erkläre, obwohl es inzwischen die Lange Nacht der Werbung gibt, hat mich jüngst eine Lange Nacht doch besonders bewegt: die Lange Nacht der Bestatter, die im Mai in Wien bestattfand. Inklusive Leistungsschau, also Probeliegen. Und inklusive Kinderprogramm "Sarg anmalen", wie sueddeutsche.de recherchierte. Demnach schrieb ein Kind auf einen Sarg: "Ich will da nicht rein!"
Die Lange Nacht kennt keine Grenzen mehr. Selbst die Lange Nacht der Ohren gibt es, die des Waldes und die Lange Nacht der Anarchie. Gibt man bei Google die "Lange Nacht des Schwachsinns" ein, kommt an erster Stelle: "Kate und William am Tag danach", also nach der Hochzeitsnacht. Und an zweiter Stelle: "Warum steigt nachts die Dummheit so sehr an?" Ja, warum eigentlich?
Es folgten die Lange Nacht des Einkaufens, die Lange Nacht der Musik, die Lange Nacht der Industrie. Selbst die Lange Nacht der Tracht ließ nicht auf sich warten, die Lange Nacht des Sports, die des Jazz und sogar die Lange Nacht des Wissens bemühte sich ob ihrer Daseinsberechtigung. Doch das musste man schon wissen. Wissen, das man sich auf der Langen Nacht der Wissenschaft schaffen konnte.
Während ich persönlich jede Nacht, in der ich arbeite, zur Langen Nacht des Idioten erkläre, obwohl es inzwischen die Lange Nacht der Werbung gibt, hat mich jüngst eine Lange Nacht doch besonders bewegt: die Lange Nacht der Bestatter, die im Mai in Wien bestattfand. Inklusive Leistungsschau, also Probeliegen. Und inklusive Kinderprogramm "Sarg anmalen", wie sueddeutsche.de recherchierte. Demnach schrieb ein Kind auf einen Sarg: "Ich will da nicht rein!"
Die Lange Nacht kennt keine Grenzen mehr. Selbst die Lange Nacht der Ohren gibt es, die des Waldes und die Lange Nacht der Anarchie. Gibt man bei Google die "Lange Nacht des Schwachsinns" ein, kommt an erster Stelle: "Kate und William am Tag danach", also nach der Hochzeitsnacht. Und an zweiter Stelle: "Warum steigt nachts die Dummheit so sehr an?" Ja, warum eigentlich?
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