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Samstag, 19. April 2014

Top-Zuschläge für Top-Journalisten



Je renommierter ein Journalist, desto teurer die Werbung. So macht es Hürriyet. Hä?
Also, von Anfang an: Der Preis für Werbeanzeigen richtet sich in deutschen Publikationen bekanntlich nach Auflage, Reichweite und Qualität der Zielgruppe. Wenn alles normal läuft, was im Mediageschäft die Ausnahme wäre.

Einen völlig anderen Weg geht ausgerechnet die „türkische Tageszeitung“ (Eigenangabe) Hürriyet, verriet jüngst Kai Diekmann in München im trauten Kreise des VZB, des Verbandes der Zeitschriftenverleger in Bayern. Der Mann mit dem Rauschebart muss es wissen, ist er doch Chefredakteur der Bild-Zeitung beim Axel-Springer-Verlag, dessen Vertrieb Hürriyet an 30.000 Verkaufsstellen verteilt. Wahrsager und –schreiber Diekmann behauptete, dass Werbekunden bei Hürriyet mehr zahlen würden, wenn sie in der Nähe renommierter Autoren platziert wären. Für die türkischen Pendants von Leyendecker, Prantl &Co würden Top-Zuschläge gezahlt. Und Anzeigenkunden würden sich um genau deren Umfelder reißen.

Weil Top-Journalisten die Werbepreise nach oben treiben, gebe es in der türkischen Verlagswelt hoch bezahlte Transfers wie bei Fußballstars. Ausgerechnet dort wissen Verlage, was ihnen guter Journalismus wert ist. Hä?

Sonntag, 16. März 2014

Neu in Österreich: Man spricht Deutsch!



Den Österreicher an sich zu verstehen, mag nicht immer leicht sein. Nicht nur, wenn es um politische Gesinnungen geht, sondern, ganz simpel, wenn es um die Sprache geht. Denn anders als das primitive Englisch, das anspruchslose Französisch oder das völlig überschätzte Chinesisch ist das Österreichisch von elitären Austriazismen durchsetzt. Außerhalb jener außergewöhnlichen Sprachgemeinschaft führen diese diabolisch-dialektischen Syntagmen oft zu linguistischen Debakeln. Ohne das offizielle ÖWB, das Österreichische Wörterbuch, ist zum Beispiel der Deutsche in österreichischen Landen völlig lost in translation.

Hier ein kurzer Einblick in den Sprachdschungel der lieben Nachbarn: Das österreichische „Bandagist“ etwa hat nichts mit Steuerflüchtlingen zu tun, sondern ist ein Geschäft für Sanitätswaren, der „Beuschelreißer“ ist eine starke Zigarette, der „Piefke“ dagegen ist meist die nicht ganz freundliche aber oft treffende Bezeichnung für den Deutschen und „Hofer“ steht für Aldi. Wie soll da ein Ausländer, etwa ein Germane, durchkommen?

Aushilfe verschafft jetzt aber eine klug durchdachte Leserreise des Spiegel, zu finden auf einer Beilage in der morgigen Ausgabe: Der Prospekt bewirbt „Österreich“, ganze acht Reisetage, für günstige 1595 Euro. Ohne Hin- und Rückfahrt, versteht sind. Der Clou neben den vielen inkludierten Reiseleistungen wie „1 x Mittagsjause“ oder „2 x Abendessen beim Heurigen“ ist, absolut wörtlich: „Deutsch sprechende Marco Polo-Reiseleitung in Österreich“.

Montag, 10. März 2014

Kärchers Hochdruck-Logik



Das Frühlingserwachen im Schwäbischen wird im Allgemeinen dadurch deutlich sichtbar, dass die kehrenden Besen samstags die Bordsteine im Ländle zurückerobern. Nicht so in Winnenden, der Geburtsstadt der Kärcher-Technologie. Hier kärchert sich die gelb-schwarze – völlig unpolitisch gemeint – Fraktion mit Hochdruck durch die Straßen. So natürlich auch ich als wohnbehafteter Winnender.

Bei mir allerdings wurde das Frühjahrskärchern jäh unterbrochen, als ein kleines Löchlein im Hochdruckschlauch das Wasser in ungewollte Richtungen jagte. Aber im Hauptsitz des Hochdruckreaktors eilte ich natürlich am Samstag sofort zur Zentrale. Dort gab es – wie auch im benachbarten Obi Baumarkt – durchaus Ersatz: Das kleine Schläuchlein sollte 89,99 Euro kosten. Mein relativ billiger Unterschichtenkärcher hat aber lediglich 59 Euro gekostet. Und das Volkskärchermodell K2 gibt es sogar noch zu diesem Preis. Inklusive Hochdruckschlauch.

Kurzerhand ließ ich mich überreden, einen Luxuskärcher im Wert von 299 Euro zu ordern – und würde ich meinen völlig intakten schlauchlosen Altkärcher zurückgeben, bekäme ich sogar noch 20 Prozent Rabatt. Also exakt so viel Rabatt, wie mein Kärcher einst gekostet hatte. Im Prinzip kriege ich also den Neupreis zurückgekärchert. Indem ich kräftig draufzahle. Kapiert?

Sonntag, 2. März 2014

Wie TUI eine Redaktion bucht



Eigentlich ist es eine Meldung, die die Welt nicht groß interessiert, doch sie hat Zündstoff: TUI Cruises, der Kreuzfahrtanbieter des Touristikkonzerns, hat pitchen lassen, sich also für eine neue Agentur entschieden, die sich um Werbemaßnahmen kümmern soll. Werbung, die für gewöhnlich gebucht wird, so wie auch Reisen gebucht werden können. Das Buchen hat normalerweise mit dem Bezahlen zu tun.

Nicht unbedingt für TUI Cruises. Buchen, Bezahlen, Bestechen? In der Kommunikationsabteilung des Schifffahrtunternehmens könnten womöglich unterschiedlichste Begrifflichkeiten synonymisiert werden. Wörtlich hieß es von TUI Cruises, als es darum ging, die „Marketingstrategie mit neuer Agentur gern exklusiv“ zu verkünden: „Voraussetzung dafür wäre, dass uns die Kollegen (…) schriftlich bestätigen, dass (…) auf mindestens einer halben Seite bis einer Seite über TUI Cruises berichtet wird.“ TUI Cruises möchte also Redaktion buchen, um es vorsichtig auszudrücken.

Natürlich haben wir bei W&V sofort abgesagt. Keine Redaktion lasse sich auf solche dirty Deals ein, keine Redaktion lasse sich kaufen, auch unsere Wettbewerber nicht. Dachte ich.

Doch TUI Cruises hat exklusiv bewiesen, dass deren Strategie aufgeht. Journalismus bekommt auf diese Weise eine völlig neue Bedeutung (slosigkeit). Eisberg in Sicht, volle Kraft voraus!

Dienstag, 11. Februar 2014

Herzschmerz zum Valentinstag


Deutschlands Kreativität beginnt mit dem Herzen. Da kündigt sich der Valentinstag an – und in allen Marketingabteilungen des Landes werden mach investigativen jok-blog-Recherchen die exakt gleichen Gespräche geführt:
Marketingchef oder –chefin: „Kreative, bald ist Valentinstag. Wie profitieren wir davon?“
Kreativchefin oder –chef: „Wir bieten alle Produkte in Herzform an!“
Marketingmensch: „Was für eine coole Idee. Das machen wir!“

Und so geht einem natürlich das Herz auf, in den drögen Gängen der Supermärkte, weil in diesen Tagen nicht nur MonCheri, Ferrero Rocher oder Raffaello in Herzfom angeboten werden, sondern auch ein herziger Fertigkuchen (380 Gramm “Hab Dich lieb-Konditortorte“), herzlichste Eispackungen (Cristallo Eisherzen), die Herzflasche des Eierlikörs Verpoorten (200 ml), Pizza Amore der Firma Hasa, aber auch herzförmiger Schnittkäse mit 50 Prozent Fettanteil in der Herz-Geschenkpackung, herzhafte Gelbwurstscheiben oder liebevoll-stinkige Camembert-Herzen mit Dip von Prestige. Alles in Herzform. Selbst eine Spiegeleipfanne wird bei Netto in Herzform angepriesen.

Was für kreative Herzensbrecher! Fehlt nur noch, dass auch Zeitungen in Herzform erscheinen, Autos oder Klobürsten. Dann ist der kreative Herz-Infarkt garantiert.

Sonntag, 2. Februar 2014

Cosmopolitan mit Pups-Beratung



Wie sie sich „das sexy Prickeln zwischendurch holen“, was „sogar im Büro klappt“, oder wenn sie etwas über die „Pimmelperspektive“ erfahren wollen, dann könnten die Leserinnen der Februar-Ausgabe von Cosmopolitan durchaus befriedigt werden. Doch in jener aktuellen Ausgabe wird mutig ein allzu menschliches Thema aufgegriffen, das meist tabuisiert wird: Winde. Oder, etwas restingierter ausgedrückt: Pupse.

Auf einer gesamten redaktionellen Seite wird unter der Rubrik „Gegenwart & Lebensart“ ein „Spezial-Schlüpfer“ vorgestellt, der unangenehme Gerüche filtern soll. Wörtlich wird beschrieben: „Das innovative Höschen katalysiert den Pupsgeruch – er wird von einer Kohlefaserschicht namens Zorflex einfach absorbiert.“ Der britische Unterwäschehersteller Shreddies habe das Wunderwerk für die Menschheit entwickelt. Vor einem „kleinen Restrisiko“ warnt die Cosmopolitan-Redaktion aber ihre hochgeschätzte Zielgruppe sicherheitshalber: „Die Unterwäsche ist nicht schalldicht.“

Unmittelbar vor diesem duften journalistischen Highlight führt eine Anzeige des Fernsehsenders Vox wohl eher unfreiwillig auf das brisante Thema hin. In riesigen Lettern heißt es auf der Anzeige vor dem Anti-Pubs-Schlüpfer: „Da ist etwas Geniales im Anzug“.

Dienstag, 21. Januar 2014

Preiswahn bei Asos: Stammkunden zahlen mehr!



Was lassen sich Unternehmen alles einfallen, um Kunden zu ködern – und wenn sie diese dann an der Angel haben, auf ewig zu binden. Kundenbindungsprogramme nannte man die Idee früher, als Marketingverantwortliche noch eine ordentliche Ausbildung hatten und deren Chefs Wert auf Marketingwissen gelegt hatten. Doch das ist eine andere Geschichte.


Im Jetzt und Heute gibt es natürlich ganz andere Möglichkeiten als dämliche Kundenbindungsprogramme. Targeting und Re-Targeting gehören in den Wortschatz eines jeden so genannten Markentingentscheiders, aber auch Behavourial Targeting oder sonstige Targenichts und Tricks technischer Art. Das hat auch der Versender modischer Mädchenlockstoffe, das Label Asos, erkannt.

Bei Asos gab es einen Marketingprofi, der dachte sich, wie zeig ich es meiner Stammklientel mal so richtig? So schickte Asos eine Mail nur an seine ziemlich besten Freundinnen und Kundinnen heraus. Mit einem Wahnsinnsangebot: 40 Prozent Rabatt auf alles. Dieser Mega-Deal gelte allerdings nur die nächsten zwei Tage lang. Was für ein Druck da aufgebaut wurde.

Mit Sicherheit orderte die Stammfrauschaft unter den besten Kundinnen, was das Zeug hielt. 40 Prozent, das darf man sich nicht entgehen lassen. Wer es sich aber doch entgehen hat lassen, der hatte dann am Ende, nein,  nicht Pech gehabt. Der hatte sogar allen Grund zur Freude: Denn nach Ablauf der beiden Tage mit dem 40-Prozent-Rabatt gab es ein Angebot für die gesamte Menschheit, egal ob Stammkunde oder nicht: 50 Prozent auf alles!

„Wieso denn ausgerechnet unsere allerbesten Kundinnen all ihre Asos-Pakete wieder unverschlossen zurückgeschickt haben“, dürfte sich der Marketingobermensch gefragt haben. Womöglich wird jetzt die Marktforschung bemüht, werden die Agenturen alle strammstehen müssen und ihre kreativen Ergüsse verteidigen. Dabei ist Marketing doch manchmal so einfach. Einfach menschlich - und irgendwie nicht immer nur billig.

Dienstag, 14. Januar 2014

Kostenlos fit

Wenigstens zum neuen Jahr nehmen wir uns was vor: Rauchen ab- oder angewöhnen. Allen Spams mal so richtig die Meinung sagen. Oder zum Mc gehen. Nein, nicht zu Mc Donald's, fette Fritten reinziehen, sondern zu McFit, fette Muskeln aufbauen.

Um möglichst viele Kunden zu ködern, hat sich der Fitmacher McFit einen echten Marketing-Coup einfallen lassen: "3 Monate kostenlos trainieren." Steht da wörtlich riesengroß auf einem knallgelben Störer eines Werbepapierchens. Nun weiß ja jeder, dass ein jedes Vorhaben schnell zum Scheitern verurteilt ist. Spätestens nach 3 Tagen raucht man wieder, nach 3 Wochen beantwortet man keine Spam-Mail mehr und spätestens nach 3 Monaten geht man nicht mehr zu McFit trainieren.

Moment mal, das heißt, man könnte dort 3 Monate kostenlos trainieren? Genial! Ein Traumstudio für jeden Schwaben! Tja, wäre da nicht der Haken bei jenem Marketing-Coup. Wörtlich heißt es im wesentlich kleiner Gedruckten: "Bei Abschluss eines 15-Monats-Vertrags... trainierst du", Vorsicht, jetzt kommt es, "die LETZTEN 3 Monate kostenlos".
Dann nehme ich mir für 2014 vor, erst 2015 dort zu trainieren. So spar ich mir die ersten 12 Monate. Und trainiere dann eben die letzten 3 Monate kostenlos.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Warnung vor dem Aldi-Wein



Man gönnt sich ja sonst nichts. Warum sich also nicht mal einen richtig guten Wein leisten? Etwa einen Grand Cru aus St. Emilion. Ein Bordeaux kommt immer gut daher. Da weiß man, was man hat. Den kann man auch Gästen vorsetzen, ohne sich zu blamieren.

Das könnte man denken, auch wenn man sich den edlen Tropfen bei einem Discounter wie Aldi zum Schnäppchenpreis von unter zehn Euro erobert hat. Jok-Blog möchte in dieser heiklen Angelegenheit doch mal reinen Wein einschenken, damit man in Zukunft weiß, was man sich schenken kann – oder lieber nicht. Zunächst einmal: Wenn bei französischen Wein „Chateau“ draufsteht, wie bei Aldis St. Emilion Grand Cru Chateau Lagarelle Puits Rasat, dann sollte man wissen, dass in Frankreich alles als Chateau bezeichnet werden darf, was ein U-förmiges Gebäude hat. So haben Winzer wohl reihenweise Garagen oder Lagerhallen U-förmig an ihr Haus angebaut, um sich Chateau nennen zu dürfen. Wenn es stimmt, was mir ein ziemlich bester Weinfreund aus unserer Medienbranche erzählt hat.

Was beim Aldi-Chateau aber auf jeden Fall stimmt – und manchen verstimmen könnte: Die noblen Fläschchen, die normalerweise zu einem Durchschnittspreis von 22 Euro gehandelt werden, haben einen QR-Code auf dem Etikett. Was sich dahinter verbirgt? Jok-Blog hat hier investigativ recherchiert. Das kann am gepflegten Tisch natürlich jeder Gast mit seinem Handy ebenso decodieren. Um dann ein riesiges Aldi-Logo auf seinem Smartphone zu erhalten. Es nimmt ein Drittel des Bildschirms ein. Klar kommen dann auch Informationen zu Wein, zum „Winemaker Monsieur Boyer“, zu passenden Speisen. Man erfährt aber auch:den exakten  „Werbetermin“, der am 18. November gewesen sein soll. Und man solle beachten, „dass dieser Aktionsartikel… schon am ersten Aktionstag ausverkauft sein kann“. Tja, Aldi informiert!

Serviert man diesen flüssigen Genuss also seinen Gästen, dann kann es nur eine Lösung geben, um peinlichen Momenten vorzubeugen: Nehmen Sie Ihren Gästen gleich am Eingang die Handys ab. Aus Sicherheitsgründen. Salute!